Aktien sind risikoreich? Das kommt auf den Anlagehorizont an …

Die einhellige Meinung ist, dass Aktien ein hohes Risiko bergen, Anleihen nur ein geringes Risiko haben und Veranlagungen am Geldmarkt absolut sicher sind. Doch leider wird bei der Betrachtung des Risikos immer die selbe Brille aufgesetzt.

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Man schaut sich in der Regel an, wie stark die Kurse unterjährig schwanken beziehungsweise wie hoch der maximale Verlust ist, den man unter normalen Umständen erleiden kann. Und da schaut es bei Aktien eben wirklich nach einem Spiel im Kasino aus.

Doch wie sieht die Sache im Vergleich dazu über einen längeren Anlagehorizont aus? Und siehe da: Aktien sind mit einem Mal gar nicht mehr so risikoreich …

 

Dazu möchte ich kurz die Aktienkursentwicklung mittels des Weltaktienindex MSCI-World darstellen:

Dieser brachte zwischen 1970 bis Ende 2018 (also über einen Zeitraum von 49 Jahren) eine jährliche Durchschnittsrendite in Euro von 7,67% (vor Kosten und Steuern).

Doch auch wenn diese Rendite sehr erfreulich ist, so waren die jährlichen Schwankungen hier wirklich beträchtlich – das zeigt uns schon eine jährliche Volatilität von beinahe 21%.

Auf Sicht eines Kalenderjahres konnten wir schlimmstenfalls fast 38 % an Wert verlieren. Und das selbe gilt auch für einen Anlagehorizont von fünf Jahren. Auch da hätte es sein können, dass wir am Ende mit etwa 38 % Verlust ausgestiegen wären. Selbst nach 10 Jahren hätte uns noch ein Verlust von im schlimmsten Fall 28% drohen können.

All das wäre uns mit Anleihen und mit Geldmarktpapieren bzw. am Sparbuch nicht passiert. (Vorausgesetzt, wir hätten breit gestreut und hätten nicht bei einem Zahlungsausfall eines einzelnen Emittenten oder der Bank alles verloren.)

Aktien – über einen langen
Anlagehorizont unschlagbar


Wir haben also geklärt, dass Aktien auf kurze bis mittlere Sicht ein hohes Risiko haben. Denn selbst nach 10 Jahren können wir noch mit einem Verlust aussteigen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar nicht mehr allzu groß, doch immerhin. Um genau zu sein betrug die Wahrscheinlichkeit dafür im Falle des MSCI World etwa 10% – also in vier von 40 Fällen war dies der Fall.

Doch schauen wir uns jetzt mal sehr lange Anlagehorizonte von 20 oder 30 Jahren an:

(Natürlich hat nicht jeder einen so langen Anlagehorizont – doch wenn du 35 bist und für die Pension mit 65 vorsorgen willst, dann sollte dich das hellhörig machen …)

Und siehe da: Auf einmal hätten wir mit Aktien kein einziges Mal ein Minus gemacht. Egal wann wir zwischen 1970 und 1999 in den Aktienmarkt eingestiegen wären – wir hätten nach 20 Jahren nie einen Verlust hinnehmen müssen.

Schlimmstenfalls wären wir nach 20 Jahren mit einem Gewinn von 123% ausgestiegen, das macht eine jährliche Durchschnittsrendite von etwas mehr als 4 %.

Und ganz extrem ist es nach 30 Jahren: Selbst wenn wir zwischen 1970 und 1989 zum allerschlimmsten Zeitpunkt eingestiegen wären – also unmittelbar vor einem Crash – so hätten wir nach 30 Jahren immer noch ein Plus von  über 600(!) % gemacht, was einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 6,82% entspricht (vor Kosten und Steuern wohlgemerkt).

Schlimmstenfalls 6,82 % pro Jahr!

Ja ich gebe zu: Auch wenn du 35 bist und für die Pension vorsorgen willst, weißt du nie, was in ein paar Jahren sein wird. Vielleicht brauchst du ja schon bald das Geld und hast somit in Wahrheit gar keinen Anlagehorizont von 30 Jahren.

Trotzdem: Jeder spricht immer davon, dass Aktien so dermaßen risikoreich sind. Aber das stimmt eben nur für kurze und mittlere Zeiträume. Bei einem wirklich langen Anlagehorizont sind Aktien bei weitem nicht so risikoreich wie du denkst.

Welchen Schluss du jetzt daraus ziehst, ist deine Sache …

Der MSCI World über verschiedene Anlagehorizonte


Hier noch einmal die Daten zum MSCI World inklusive Dividenden in Euro gerechnet (auf Basis von Kalenderjahren):

Minimum Maximum
1 Jahr -37,68% 55,18%
5 Jahre kumuliert -38,28% 227,32%
   pro Jahr: -9,20% 26,76%
10 Jahre kumuliert -28,10% 478,61%
   pro Jahr: -3,25% 19,19%
20 Jahre kumuliert 123,09% 2039,26%
   pro Jahr: 4,09% 16,55%
30 Jahre kumuliert 624,22% 2116,30%
   pro Jahr: 6,82% 10,88%

 

* Die Daten sind ohne Kosten und ohne Steuern gerechnet. Natürlich müsstest du das in der Realität noch abziehen. Investierst du beispielsweise in einen ETF, der in den MSCI World anlegt, dann könntest du ein halbes Prozent an Kosten abziehen plus eventuelle Depotbankgebühren. Vom Rest ist noch die Steuer von etwa einem Viertel abzuziehen. Aber das ist ja am Sparbuch nicht anders. Steuern sparen ließe sich aber im Falle eines langen Anlagehorizonts mittels fondsgebundener Lebensversicherung. Aber das ist wieder ein anderes Thema …

** Bitte beachte: Vergangenheitsdaten sind keine Garantie für die Zukunft. Es ist nich auszuschließen, dass es irgendwann ein Jahr gibt, wo der Verlust sogar mehr als 38 % beträgt.

 

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