Was sind alternative Investments?

Alternative Investments ist ein Oberbegriff für all jene Kapitalanlagen, die über die klassischen drei Asset-Klassen hinausgehen (also für Anlagen jenseits von Aktien, Anleihen und Geldmarktpapieren).

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Alternative Investments zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie mit diesen klassischen Asset-Klassen wenig korrelieren und somit auch dann positive Renditen erzielen können, wenn die Börsen gerade ins Minus rutschen (auch wenn sie dieses Versprechen nicht immer einlösen können!).

Ziel ist es somit, stetige Gewinne zu erzielen, wobei die Renditeerwartungen in der Regel zwischen Anleihen und Aktien anzusiedeln sind.

Arten alternativer Investments

Es gibt viele verschiedene Arten von alternativen Investments wie Immobilien, Hedgefonds, Managed Futures, Private Equity, Rohstoffe, Private Debt, Infrastrukturinvestitionen und weitere Beteiligungsformen.

Immobilien

Unter anderem zählen auch Direktinvestments in Immobilien wie ein privater Haus- oder Wohnungskauf bzw. die Investition in Vorsorgewohnungen zu den alternativen Investments.

Daneben kann man in Immobilien auch via offene und geschlossene Immobilienfonds anlegen. Dabei haben auch Privatanleger die Möglichkeit selbst mit geringen Beträgen in Immobilien zu investieren.

Bei offenen Immobilienfonds handelt es sich um eine spezielle Art von Investmentfonds, die in unterschiedliche Immobilien veranlagen und damit versuchen, durch Mieterträge und Wertsteigerungen der gekauften Objekte Erträge zu erwirtschaften.

Dabei haben offene Immobilienfonds sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ein großer Vorteil ist die geringe Volatilität im Zeitablauf bei in vielen Fällen durchaus attraktiven Renditen, die sich in etwa im Bereich von Anleihen bewegen.

Ein großer Nachteil von offenen Immobilienfonds ist allerdings, dass es zu Problemen kommen kann, wenn auf einmal viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile zurückgeben möchten. Eine Immobilie lässt sich eben nicht so schnell wieder zu halbwegs guten Preisen verkaufen. Vor allem im Krisenjahr 2008 kam es da vielerorts zu Problemen, weshalb ich persönlich kein großer Fan von offenen Immobilienfonds bin und auch selbst keinen besitze.

Und auch geschlossene Immobilienfonds sind mit Vorsicht zu genießen wie die Vergangenheit gezeigt hat. Unter Umständen ist damit auch ein Totalverlust möglich (ebenfalls im Krisenjahr 2008 häufig passiert). Geschlossene Immobilienfonds kann man nur solange zeichnen, bis eine bestimmte Summe an Geld aufgetrieben wurde, die anschließend möglicherweise nur in ein einziges Objekt investiert wird.

Unter Umständen hat dieses Objekt auch nur einen oder zwei Mieter und ist zu einem großen Teil fremdfinanziert. Fällt in weiterer Folge dieser Mieter aus, dann kann es sein, dass man alles wieder verliert. Aufgrund der rechtlichen Konstruktion geschlossener Immobilienfonds als Kommanditgesellschaft kann es sogar sein, dass man bisher erfolgte Ausschüttungen wieder zurückzahlen muss (ebenfalls im Krisenjahr 2008 so geschehen).

Somit sind Immobilien nicht unbedingt DAS sichere Investment als das es viele betrachten (zumal ja auch die eigene Wohnimmobilie im Wert schwankt, nur merkt man das nicht, weil nicht ständig ein Kurs berechnet wird wie bei Aktien und Anleihen) …

Hedgefonds

Bei den Hedgefonds scheiden sich die Geister. Die einen sind überzeugt davon, dass Hedgefonds in ein breit gestreutes Portfolio neben Aktien und Anleihen dazugehören. Die anderen verteufeln sie komplett und sind der Meinung, dass sie keinesfalls beigemischt werden sollten.

Ich persönlich finde manche Strategien durchaus interessant. Doch man muss schon ganz genau hinschauen, in was man da investiert. Für jeden Anleger sind sie meiner Meinung nach nicht geeignet.

Aber klären wir zunächst mal, was Hedgefonds überhaupt sind: Vereinfacht gesagt, investiert ein Hedgefonds in nicht traditionelle Strategien und setzt dabei auch verstärkt Derivate wie Optionen und Futures ein.

Das Ziel von Hedgefonds ist es – ganz anders als bei traditionellen Aktien- und Anleihefonds – eine absolute Rendite zu erzielen. Das heißt, man möchte nach Möglichkeit in jedem Jahr oder zumindest auf Sicht von z.B. drei Jahren einen positiven Ertrag erzielen – und zwar unabhängig davon, wie sich die Börsen gerade entwickeln.

Dabei können Hedgefonds auch mit einem Hebel investieren und sogar auf fallende Kurse setzen. Neben der Spekulation auf Aktien- und Anleihekursänderungen können sie auch auf die Änderung von Volatilitäten, die relative Entwicklung von Branchen und Währungen zueinander sowie auf Rohstoffindizes und dergleichen Wetten abschließen.

Dabei können sich die einzelnen Hedgefonds sowohl in punkto Rendite- als auch Risikoprofil deutlich unterscheiden. Grob gesagt unterscheidet man vier solcher Subkategorien von Hedgefonds:

  • Global Macro (nützen globale Entwicklungen bzw. regionale Trends aus und sind völlig frei in ihren Investments)
  • Event-Driven (setzen auf bestimmte Ereignisse wie z.B. Unternehmensübernahmen)
  • Arbitrage (möchten Marktineffizienzen ausnützen wie z.B. die Anleihenarbitrage)
  • Long/Short bzw. Market Neutral (setzen auf steigende UND fallende Kurse bei Aktien oder Anleihen)

Managed Futures

Manche sehen Managed Future Fonds als Teil der Hedgefonds. Wieder andere sehen sie als eigenständige Kategorie unter den alternativen Investments.

Managed Future Fonds investieren wie es der Name bereits nahelegt in Futures. Sie können dabei sowohl auf steigende und fallende Kurse wetten. Und sie können das bei allen erdenklichen Underlyings so machen – sei es bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Agrarprodukten, Immobilienindices, Währungen, etc.

Managed Future Fonds möchten vor allem Trends nutzen und funktionieren daher auch nur dann, wenn es am Markt solche klaren Trends gibt. Verläuft die Marktentwicklung seitwärts mit ständigen kurzen Ausschlägen in beide Richtungen, dann macht man damit in der Regel Verluste.

Ein großer Nachteil von Managed Future Fonds ist auch, dass sie unter den alternativen Investments in der Regel die höchsten Kosten haben. Somit entsteht schon allein durch die Kosten in seitwärts tendierenden Märkten ein fettes Minus.

Ein weiterer Nachteil ist auch, dass sie eine sehr hohe Volatilität besitzen, die in der Regel auch höher ist als bei Aktien.

Zugute kommt ihnen allerdings, dass sie nur wenig mit Aktien korrelieren und viele Managed Future Fonds in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie bei einem Crash mitunter sehr gute Renditen erwirtschaften können.

Private Equity

Bei Private Equity investiert man in nicht börsenotierte Unternehmen. Meist handelt es sich dabei um Wachstumsunternehmen, die ein großes Potential aber eben auch ein großes Risiko besitzen.

Allein aufgrund der meist hohen Mindestanlagesummen, der geringen Transparenz und auch der geringen Liquidität eignet sich Private Equity nur bedingt für den typischen Privatanleger.

Große institutionelle Investoren wie zum Beispiel auch amerikanische Eliteuniversitäten wie Stanford und Harvard schwören allerdings darauf.

Allerdings gilt dabei wie bei jedem Investment: Man sollte nur in Sachen investieren, bei denen man nachvollziehen kann, was der Fonds konkret macht. Kennt man sich selbst nicht gut genug aus, dann sollte man besser die Finger davon lassen.

Rohstoffe

Mittlerweile ist es sogar für den Kleinanleger möglich, in Rohstoffe zu investieren. Denn nun kann man dies auch ganz leicht via ETF machen.

Auch wenn bei Rohstoffen kurz- bis mittelfristig teils große Wertschwankungen möglich sind, besitzen sie dennoch einen Vorteil: Sie korrelieren so gut wie gar nicht mit Aktien.

Zudem kann man mittels ETF in breit gestreute Rohstoff-Indizes investieren und vermindert somit das Risiko.

Allerdings eignen sich Rohstoffe eher nur als kleine Beimischung und nicht unbedingt als großer Bestandteil in einem Portfolio.

Weitere alternative Investments

Neben den bereits angeführten Kategorien alternativer Investments gibt es noch weitere Möglichkeiten wie Schiffsbeteiligungen, gebrauchte Lebensversicherungen und Investitionen in Windkraft und Infrastrukturprojekten.

Doch ich habe es schon angedeutet: Egal in was man investiert, man sollte das Produkt genau kennen. Vor allem sollte man sich der Risiken genau bewusst sein. Wenn man also investiert, dann muss man zumindest den Emissionsprospekt lesen und womöglich weitere Informationen einholen – und sich genau fragen, was die Risiken sind.

Erst dann sollte man entscheiden, ob man diese Risiken überhaupt eingehen will!

Gerade bei diesen weiteren Formen von alternativen Investments handelt es sich oft um wenig transparente Anlagemöglichkeiten und zudem auch oft um geschlossene Fonds – mit oben beschriebenen Nachteilen wie bei geschlossenen Immobilienfonds. Mitunter ist also auch ein Totalverlust möglich!

Vor- und Nachteile von alternativen Investments

Einige Vor- und Nachteile haben wir bei den speziellen Arten von alternativen Investments bereits angesprochen. Jedoch gibt es auch ganz allgemein gesprochen Vor- und Nachteile, die auf so gut wie jede Subkategorie zutreffen. Beginnen wir mal mit den Vorteilen:

(+) Geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen

Alternative Investments haben in der Regel keinen Bezug zu Aktien oder Anleihen (von einigen Hedgefondsarten einmal abgesehen). Deshalb korrelieren sie in der Regel auch nicht mit diesen herkömmlichen Asset-Klassen.

(Eine Korrelation beschreibt eine Beziehung zwischen zwei Elementen. Ist die Korrelation stark positiv, dann bedeutet dies, dass in der Regel die eine Asset-Klasse steigt, wenn die andere auch steigt. Besteht allerdings keine Korrelation, dann hat es keine Auswirkung auf eine Asset-Klasse, wenn eine andere im Moment steigt oder fällt.)

Der besondere Vorteil dieser geringen oder sogar nicht existenten Korrelation ist, dass eine Beimischung von alternativen Investments die Volatilität des Gesamtportfolios senkt.

(+) Gleichmäßige Renditen

Einige der vorhin genannten alternativen Investments haben bereits für sich betrachtet eine geringe Volatilität. Dies trifft vor allem auf einige Hedgefondsarten und auch auf Immobilieninvestments zu.

Bei manchen Arten von alternativen Investments wie Managed Futures und Rohstoffe ist dieser Vorteil aber nicht zu beobachten.

(-) Geringe Liquidität

Viele alternative Investments haben den Nachteil, dass sie nur wenig liquide sind. In normalen Marktphasen ist das in der Regel kein sonderliches Problem. In Phasen, in denen viele Anleger gleichzeitig aussteigen möchten, kann es aber sehr wohl zu Problemen kommen.

Manch Immobilienfonds musste in der Folge schon schließen und es dauerte dann oft Jahre, bis alle Immobilien verkauft waren und die Anleger damit zu ihrem Geld gekommen sind.

Dasselbe gilt natürlich auch für alle Arten von geschlossenen Fonds, die in der Regel fixe Laufzeiten haben, und auch für so manchen Hedgefonds.

Bei anderen Hedgefonds wiederum gilt der Nachteil zu geringer Liquidität nicht. Man sagt zu ihnen auch Liquid Alternatives und für sie wird täglich ein Kurs berechnet, zu dem man seine Anteile auch wieder zurückgeben kann (Das trifft zum Beispiel auf viele Hedgefonds zu, deren Strategie auf Aktien bzw. Anleihen basieren wie Long Short Equity, Equity Market Neutral und Merger Arbitrage).

(-) Geringe Transparenz

Dieser Nachteil trifft vor allem auf viele Hedge Fonds sowie Private Equity Investments zu, die oft sehr undurchsichtig sind. Oftmals ist der Grund einfach nur der, dass es einen Nachteil bedeuten würde, wenn jeder über die aktuellen Investments bescheid wüsste, da man dann vorhandene Ineffizienzen am Markt nicht mehr richtig ausnützen könnte.

Besonders trifft dieses Problem der Intransparenz auf jene Fonds zu, die nicht ständig einen Kurs publizieren und daher auch illiquider sind als andere. In der Regel sollte man als Privatinvestor eher die Finger von so etwas lassen. Sonst riskiert man mitunter, dem nächsten Bernard Madoff sein Geld zu überlassen (Anmerkung: Bernard Madoff war Manager von Hedgefonds und gilt wohl als der größte Finanzbetrüger aller Zeiten).

(-) Die Volatilität zeigt nicht das eigentliche Risiko

Es stimmt, dass speziell Hedgefonds und Immobilieninvestments eine geringe Volatilität aufweisen. Doch es ergeben sich dabei zwei Probleme:

Erstens gaukeln diese Investitionen womöglich eine geringe Volatilität nur vor. Wenn du zum Beispiel ein Eigenheim kaufst, dann gibt es dafür nicht täglich einen Kurs, der die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation widerspiegelt.

Gäbe es das, dann würde man sich wahrscheinlich über die großen Ausschläge nach oben und unten wundern. Denn die Nachfrage nach Immobilien ändert sich sehr wohl im Zeitablauf und die Immobilienpreise gaukeln eine stetige Entwicklung nur vor. Noch dazu ist ein Kauf einer einzigen Immobilie aus Geldanlagesicht auch sehr riskant, denn die Einschätzung der Lage könnte sich plötzlich deutlich verschlechtern – zum Beispiel wenn auf einmal eine Autobahn gebaut wird ein paar Meter neben dem Wohnzimmer.

Und auch bei so manchen Hedgefonds hat sich gezeigt, dass diese zwar in normalen Marktphasen stetig und ohne Unterbrechung nach oben gehen – fast wie mit dem Lineal gezogen.

Sobald aber ein so heftiger Kursrutsch an den Börsen wie 2008 passiert, ist es aus mit der geringen Volatilität und sie machen mitunter ein deutliches Minus – also gerade dann, wenn man ihre geringe Korrelation mit Aktien am meisten brauchen würde. Man muss sich also wirklich ganz genau ansehen in was man investiert.

(-) Oft höhere Kosten als bei traditionellen Investments

Gerade bei Managed Future Fonds ist die Kostenbelastung mitunter gewaltig. Bei manchen liest man im Factsheet oder im KID (=Kundeninformationsdokument) von Verwaltungsgebühren bzw. einer Total Expense Ratio von bis zu 6(!) Prozent per annum. Diese immensen Kosten muss der Fonds erstmal wieder hereinbringen – was kein leichtes Unterfangen ist.

Und auch so mancher Hedgefonds hat neben den normalen Verwaltungsgebühren noch hohe Performancegebühren. Zum Beispiel liest man oft, dass bei einer positiven Rendite bzw. bei Überschreiten der EONIA-Geldmarktverzinsung (die im übrigen zurzeit negativ ist) eine 20%ige Performancefee fällig wird. Dem Anleger werden also erstmal alle Verwaltungsgebühren, Depotgebühren und Transaktionskosten abgezogen. Was dann noch überbleibt wird um 20% Performancegebühr reduziert und auch noch versteuert.

(Und wenn der paradoxe Fall eintritt, dass die Geldmarktzinsen im Euroraum sogar negativ sind wie derzeit beim EONIA, dann kann der Fonds sogar theoretisch ein leichtes Minus machen und es werden dennoch Performancegebühren fällig.)

 

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