Was sind Anleihen?

Anleihen sind so genannte Gläubigerpapiere. Das heißt, sie verbriefen im Unterscheid zu Aktien kein Miteigentum an einem Unternehmen, sondern es besteht lediglich ein Anspruch auf Rückzahlung und auf Verzinsung des verliehenen Kapitals.

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Anleihen sind demnach Krediten sehr ähnlich – mit dem Unterschied, dass Anleihen eben verbrieft und somit handelbar bzw. übertragbar sind.

Ähnlich wie bei Aktien gibt es auch bei Anleihen Unterschiede in der Ausgestaltung. Zudem muss es auch nicht immer ein Unternehmen wie eine Aktiengesellschaft sein, die Anleihen ausgibt (in der Fachsprache sagt man dazu auch emittiert) …

Begriff und Funktionsweise


Nehmen wir an, wir stehen als Investoren vor der Entscheidung, entweder Aktien oder Anleihen eines bestimmten Unternehmens zu kaufen.

Entscheiden wir uns für die Aktie, so bedeutet dies, dass wir damit auch gleichzeitig einen Anteil am Unternehmen erwerben. Wir sind damit auch am Gewinn beteiligt und erhalten einen Anspruch auf Dividende, falls die Aktiengesellschaft eine solche ausschüttet.

Bei Kauf der Anleihe sieht die Sache gänzlich anders aus: Wir erwerben damit KEINEN Anteil am Unternehmen, sondern sind Gläubiger der Aktiengesellschaft. Das Unternehmen verpflichtet sich, uns regelmäßig Zinsen für das geborgte Kapital zu zahlen (in der Regel einmal jährlich) und uns am Ende natürlich das Kapital zurückzuzahlen (genauer gesagt den Nennwert, den man dem Emissionsprospekt entnehmen kann).

Bei Kauf einer Aktie haben wir diesen Anspruch auf eine regelmäßige Verzinsung hingegen nicht. Kaufen wir die Aktie, und das Unternehmen schüttet keinen Gewinn aus – entweder weil sie den Gewinn reinvestiert um Investitionen für die Zukunft zu tätigen oder vielleicht im Moment einen Verlust macht, so erhalten wir KEINE Rückflüsse während der Zeit in der wir die Aktien halten.

Als Käufer der Anleihe allerdings haben wir auch dann einen Anspruch auf diese Zinsen, wenn das Unternehmen gerade Verluste macht. Und falls das Unternehmen in Konkurs gehen sollte, dann haben wir als Anleihekäufer in der Regel einen Anspruch auf jenen positiven Betrag, der bei der Liquidation aller Vermögenswerte übrigbleibt. Als Käufer einer Aktie hingegen schauen wir für gewöhnlich durch die Finger.

Doch natürlich hat der Kauf von Anleihen nicht nur Vorteile gegenüber dem Kauf von Aktien. Als größter Nachteil ist zu sehen, dass mit Anleihen auch der maximale Gewinn begrenzt ist. Man weiß nämlich schon von vornherein, dass man so und so viel Zinsen erhält und die Anleihe sagen wir mal 10 Jahre lang läuft bis sie fällig wird. In der Zwischenzeit sind zwar durchaus auch Kursgewinne möglich, am Ende der Laufzeit erhält man allerdings nicht mehr als den im Emissionsprospekt genannten Betrag als Rückzahlung.

Bei Aktien hingegen ist das Gewinnpotential in diesen 10 Jahren theoretisch unbegrenzt. Das geringere Risiko bei Anleihen führt daher auch langfristig gesehen zu einer geringeren Rendite. Ist ja auch logisch: Auch an der Börse gibt es nichts geschenkt. Die Amerikaner sagen dazu: There is no free lunch.

Arten von Anleihen


Grob gesagt kann man Anleihen nach folgenden Kriterien unterscheiden: Anleihetyp / Ausgestaltungsmerkmale, Emittenten, Kreditwürdigkeit / Bonität, sowie Laufzeitbereich

Anleihetyp und Ausgestaltungsmerkmale:

Kauft man Anleihen von Unternehmen, dann gibt es dazu auch immer ein Emissionsprospekt (bei von Staaten ausgegebenen Anleihen ist das in der Regel nicht der Fall, weil es da standardisierte Emissionsbedingungen gibt). Dort kann man alles zu der jeweiligen Anleihe nachlesen, wie zum Beispiel, ob es sich um eine Namensschuldverschreibung oder um eine Inhaberschuldverschreibung handelt.

Namensschuldverschreibungen sind nicht so leicht auf Dritte übertragbar, Inhaberschuldverschreibungen hingegen schon.

Unter anderem erfährt man dort auch, ob es sich um erstrangige Anleihen (= Senior- Anleihen) handelt, oder ob es lediglich nachrangige Anleihen (= Sub-ordinated Bonds) sind. Letztere werden im Konkursfall erst nach den erstrangigen Anleihen bedient (will heißen: man schaut in der Regel durch die Finger, wenn´s mal nicht so gut läuft).

Viel wichtiger erscheint aber in diesem Zusammenhang, wie man zu seiner Rendite kommt. Werden laufend während der Laufzeit Zinsen gezahlt, dann spricht man von einer Kupon-Anleihe. Werden während der Laufzeit hingegen keine Zinsen ausgezahlt, dann spricht man von einer Null-Kupon-Anleihe (= Zero-Bond). Letztere werden mit einem Abschlag (= Diskont) zum Nennbetrag ausgegeben. Das heißt, man kauft sie billiger als man am Ende der Laufzeit zurückgezahlt bekommt. Insofern bekommt man die gesamten Zinsen am Laufzeitende.

Mitunter kann es auch vorkommen, dass man nicht über die Laufzeit fixe Zinsen ausbezahlt bekommt, sondern dass die Zinsen vom allgemeinen Zinsniveau abhängen. In diesem Fall spricht man von variabel verzinslichen Anleihen (= Floating Rate Notes, kurz FRAs). Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Zinsen abhängig sind von der vorherrschenden Inflation. In dem Fall spricht man von inflationsgeschützten Anleihen (= Inflation Linked Bonds).

Und damit nicht genug: Es gibt auch Sonderformen von Anleihen, die im Grunde eine Mischform sind aus Anleihen und Aktien. Hierzu zählen vor allem Wandel- und Optionsanleihen, sowie Gewinnschuldverschreibungen und Genussscheine.

Manche Anleihen sind auch besichert: Dazu zählen vor allem Pfandbriefe und Hypothekenanleihen (= Mortgage Backed Securities). Eine genauere Beschreibung dieser Anleihesonderformen würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Emittenten (= Herausgeber der Anleihe):

Sehr gängig in der Praxis ist die Unterscheidung von Anleihen je nach Emittent, das heißt je nach Herausgeber eben dieser Anleihe (also jenem Unternehmen oder Institution, welche Schulden via der Ausgabe von Anleihen aufnimmt).

Die zwei wichtigsten Emittentengruppen sind dabei Staaten (= Staatsanleihen) und Unternehmen (= Unternehmensanleihen).

Daneben treten auch Banken als Anleiheschuldner auf (= Bankschuldverschreibungen), sowie bestimmte supranationale Institutionen, Kommunen und bestimmte Institutionen mit öffentlichem Auftrag wie die KfW in Deutschland (= Kreditanstalt für Wiederaufbau).

Bonität (= Kreditwürdigkeit):

Neben der Unterscheidung nach Emittenten ist es auch wichtig zu wissen, wie kreditwürdig das zugrundeliegende Unternehmen bzw. der Staat oder die Institution ist. Ablesen kann man das unter anderem anhand von Ratings gewisser internationaler Ratingagenturen wie Moody´s, Standard & Poors und Fitch.

Unterschieden wird dabei ganz grob zwischen zwei Bereichen. Unternehmen und Staaten guter Bonität bezeichnet man als Investment Grade. Alle anderen mit schlechterer Bonität bezeichnet man als Non Investment Grade oder schlicht als Junk Bonds bzw. High Yield Bonds. Letztere Bezeichnung deutet bereits darauf hin, dass man für das höhere Risiko natürlich auch einen Risikoaufschlag in Form höherer Zinsen haben möchte.

Laufzeitbereich:

Gerade bei Anleihen spielen auch die (Rest-)Laufzeiten eine große Rolle. Wenn es nämlich zu Veränderungen im allgemeinen Zinsniveau kommt, dann reagieren länger laufende Anleihen stärker darauf als kurz laufende Anleihen. Steigt zum Beispiel das Zinsniveau, dann könnte ich neue Anleihen mit einer besseren Verzinsung dafür kaufen. Deshalb fallen die Kurse der alten Anleihen (da diese ja eine schlechtere Verzinsung haben).

Als kurzfristig bezeichnet man in diesem Zusammenhang (Rest-)Laufzeiten von bis zu zwei Jahren. Was langfristig heißt, so sind sich nicht alle einig. Manche betrachten Laufzeiten von mehr als fünf Jahren bereits als langfristig. Dazwischen markieren Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren demnach den mittelfristigen Laufzeitbereich bei Anleihen.

 

Synonyme für Anleihen: Schuldverschreibungen, Rentenpapiere, Obligationen

 

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