Was bedeutet Asset Allokation?

Asset Allokation bezeichnet die Zusammensetzung der einzelnen Vermögenswerte in einem Wertpapierdepot (im Englischen sagt man zu Vermögenswerten auch Assets, daher der Name Asset Allocation).

… … …

Es bezeichnet daher die grundsätzliche Aufteilung eines Anlagebetrages auf zum Beispiel Aktien, Anleihen und Geldmarktpapiere.

Um eine solche Aufteilung vornehmen zu können, muss man die verfügbaren Vermögenswerte erstmal sinnvoll in so genannte Asset-Klassen (= Anlagegruppen) einteilen. Bei dieser Einteilung ist darauf zu achten, dass die Assets innerhalb der Klassen ähnliche beziehungsweise identische Risiko-Rendite-Kombinationen aufweisen.

Einteilung in Asset-Klassen


Der erste Schritt bei der Asset Allokation ist die Einteilung in Asset-Klassen. Dabei unterscheidet man vor allem die folgenden:

Cash und Barmittel: Diese weisen eine Laufzeit von in der Regel unter einem Jahr auf, in Ausnahmefällen zählt man hierzu auch Geldmarktpapiere bzw. Anleihen von unter zwei Jahren Restlaufzeit hinzu.

Diese Anlagegruppe zeichnet sich durch eine sehr geringe Schwankungsbreite der jährlichen Rendite (= Volatilität) aus. Dafür ist auch die langfristig zu erwartende Durchschnittsrendite am geringsten. Denn es gilt: Keine hohe Rendite ohne gleichzeitig höheres Risiko.

Festverzinsliche Wertpapiere: Hierzu zählt man gewöhnlich Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens einem bzw. zwei Jahren. Was Risiko und Rendite betrifft, kann man hier noch weiter unterteilen in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, sowie in Anleihen aus Industrie- vs. Schwellenländern.

Staatsanleihen von Industrieländern wie Deutschland haben das geringste Bonitätsrisiko (= das Risiko, dass der Anleiheschuldner keine Zins- und Tilgungszahlungen mehr leisten kann). Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern haben hingegen ein hohes Bonitätsrisiko. Dafür ist auch die erwartete Rendite entsprechend höher.

Neben diesem Bonitätsrisiko haben festverzinsliche Wertpapiere auch ein gewisses Zinsrisiko. Steigen die Zinsen, dann fällt der Kurs bestehender Anleihen.

Aktien: Die dritte große Asset-Klasse sind Aktien. Sie weisen eine deutlich höhere Schwankungsbreite auf als Barmittel und festverzinsliche Wertpapiere. Dafür ist auch die erwartete Rendite ungleich höher (allerdings gilt dies natürlich nur langfristig, kurzfristig ist damit auch ein fettes Minus möglich).

Auch Aktien kann man hier noch weiter unterteilen in Aktien der Industrienationen vs. Schwellenländeraktien. Zudem kann man sie auch nach Größe unterteilen und in sogenannte Substanzaktien (niedrig bewertete Aktien) und Wachstumsaktien (Aktien von Unternehmen mit besonders hohem Zukunftspotential).

Weitere Asset-Klassen sind vor allem Immobilien, Rohstoffe und Hedge Fonds. Besonders bei letzteren sind je nach Unterkategorie die Rendite- und Risikoerwartungen höchst unterschiedlich.

Gewichtung der Asset-Klassen


In einem zweiten Schritt werden die einzelnen Asset-Klassen grob gewichtet. Diese so genannte strategische Asset Allokation gibt die langfristige Richtung vor. Je nach aktueller Marktmeinung kann man dann in einem bestimmten vorher festgelegten Ausmaß abweichen (also einzelne Asset-Klassen temporär über- oder untergewichten). In diesem Zusammenhang spricht man dann von taktischer Asset Allokation – dem dritten Schritt.

Doch um zuerst einmal die strategische Asset-Allokation festlegen zu können, muss man sich über zwei Dinge im Klaren sein, und zwar über die genauen Charakteristika der Asset-Klassen und über die eigene Situation:

Erstens: Die genauen Charakteristika der einzelnen Haupt- und Sub-Assetklassen (eine Haupt-Asset-Klasse sind z.B. Aktien, eine Sub-Asset-Klasse davon sind Schwellenländeraktien): Hierbei geht es vor allem um die langfristig zu erwartende Rendite, sowie um die Schwankungsbreite der Renditen (=Volatilität) und um die Abhängigkeit zwischen den einzelnen Haupt- und Sub-Assetklassen (=Korrelation).

Optimal sind hier vor allem geringe oder sogar negative Korrelationen. Dies bedeutet z.B., dass bei einer nicht vorhandenen Korrelation das Fallen des einen Vermögenswertes keinen Einfluss hat auf einen zweiten Vermögenswert. Bei negativer Korrelation steigt zweiterer sogar (ein Umstand, der in der Realität aber praktisch über einen längeren Zeitraum nicht vorkommt).

Zweitens: Die eigene Situation bestehend aus Zielen und Motiven, dem Anlagehorizont, persönliche und finanzielle Risikotragfähigkeit, familiäre und berufliche Situation sowie Alter und derzeitiges Einkommen etc. Erst wenn man all diese Dinge berücksichtigt, kann man eine sinnvolle Asset Allokation vornehmen.

Der Sinn hinter der Asset Allokation


Es wurde bereits durch viele Studien bestätigt, dass ein großer Anteil der langfristigen Rendite eines Depots von der Asset Allokation stammt. Das Risiko in Form der Volatilität (=Schwankung der einzelnen Renditen um den langfristigen Mittelwert) wird sogar fast nur von der Asset Allokation bestimmt. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem Anteil in Höhe von 80 bis 90 Prozent!

Somit macht es Sinn, sich mit der Asset Allokation Zeit zu lassen und diese genau zu planen. Sie ist um ein Vielfaches wichtiger als die daran anschließende Fonds- bzw. Einzeltitelauswahl. Dementsprechend sollte auch ein Löwenanteil der Zeit darauf verwendet werden und nicht umgekehrt.

Das Bemerkenswerte an einer klugen Asset Allokation ist auch, dass man damit bis zu einem gewissen Grad Anlagestrukturen herstellen kann, die bei geringerem Risiko eine höhere zu erwartende Rendite aufweisen. (Zu achten ist allerdings innerhalb der Asset-Klassen auf eine breite Streuung, wodurch Investmentfonds und ETFs in den meisten Fällen mehr Sinn machen als Einzeltitelinvestments – von Staatsanleihen bester Bonität einmal abgesehen).

Ein Beispiel ist folgender Umstand, dass eine geringe Beimischung von Aktien (eben breit gestreut) zu einem Anleihedepot das Risiko gemessen an der Volatilität sogar reduziert. Und gleichzeitig die Renditeaussichten erhöht! In der Regel trifft dies auf eine Beimischung in Höhe von 10 bis 15 Prozent Aktien zu.

Geschuldet ist dieser Umstand der geringen Korrelation von Aktien und Anleihen (wobei hier Staatsanleihen gemeint sind, die Korrelation von Aktien zu Unternehmensanleihen ist naturgemäß höher).

 

Synonyme: Vermögensaufteilung, Depotstruktur, Anlagestruktur, Portfoliozusammensetzung

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.