Chartanalyse? Was meint man damit?

Die Chartanalyse ist eigentlich Teil der Technischen Analyse, wird aber oft synonym verwendet im Sprachgebrauch. Jedenfalls meint man mit Chartanalyse, dass man mit Hilfe des Kurscharts versucht, die künftige Entwicklung des Kurses zu prognostizieren.

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Chartanalyse als Teil der Technischen Analyse


Streng genommen ist die Chartanalyse (oder auch Charttechnik genannt) ein Teilbereich der Technischen Analyse. Ein zweiter wichtiger Teilbereich ist die Markttechnik:

1. Chartanalyse / Charttechnik

Hierbei betrachtet man den Kurs eines Wertpapiers bzw. eines Wertpapierindizes – wie zum Beispiel den Kursverlauf des weltweiten Aktienindex MSCI World.

Aufgrund des bisherigen und vor allem jüngsten Verlaufs des Kurses möchte man eine Vorhersage über die weitere Entwicklung treffen. Beispielsweise möchte man am Kurs erkennen, ob sich ein bestimmter Trend fortsetzt, ob es zu einem Trendbruch kommt und manchmal möchte man sogar das künftige Kursziel daraus ableiten.

Dabei bedient sich die Chartanalyse wiederum unterschiedlichen Methoden:

Candlesticking

Normalerweise werden Charts in Form einer durchgehenden Linie dargestellt. Eine weitere und mitunter bessere Möglichkeit ist es, so genannte Candlesticks / Kerzencharts zu verwenden.

Das besondere an diesen Candlesticks ist, dass man daran nicht nur den Schlusskurs eines bestimmten Tages ablesen kann. Vielmehr ist daraus auch der Eröffnungs-, sowie der jeweilige Tiefst- und Höchstkurs eines bestimmten Tages ablesbar.

Der Vorteil für den Charttechniker ist, dass man damit nicht nur eine Information über die Kursentwicklung an sich bekommt, sondern auch über die aktuelle Marktstimmung und die Entwicklung dieser Marktstimmung.

Mittels Candlesticking möchte der Charttechniker vor allem Trendbrüche frühzeitig erkennen. Sehr häufig erkennt er diese, wenn der so genannte Body / Kerzenkörper klein oder nicht vorhanden und der Schatten / Docht möglichst groß ist.

Denn dies zeigt zwar einen großen Unterschied zwischen Höchst- und Tiefstkurs, aber eine sehr geringe Veränderung im tatsächlichen Kursverlauf, da Eröffnungs- und Schlusskurs nah beieinander liegen oder sogar ident sind.

In der Chartanalyse interpretiert man dies so, dass sich die Marktteilnehmer bereits unsicher über die künftige Entwicklung sind und ein bisheriger Trend (egal ob aufwärts oder abwärts) schon bald drehen könnte.

Trendlinien / Trendkanäle

Am bekanntesten im Rahmen der Chartanalyse ist sicher das Zeichnen von Trendlinien, woraus in weiterer Erfolge ein Trendkanal entsteht.

Der Trend ist dabei die Richtung des Marktes, in der er sich momentan entwickelt. Charles Dow – einer der Begründer der Charttechnik – unterschied dabei in Primär-, Sekundär- und Tertiärtrends. Wobei der Primärtrend der langfristige Trend ist und der Tertiärtrend nur ein sehr kurzfristiger grade aktueller Trend ist.

Obwohl beispielsweise der langfristige Primärtrend nach oben zeigt, kann der Tertiärtrend im Moment nach unten zeigen und umgekehrt.

Sehr häufig wird im Rahmen von Trendlinien und Trendkanälen mit Unterstützungs- bzw. Widerstandslinien gearbeitet, wobei man die untere Linie immer als Unterstützungslinie und die obere als Widerstandslinie betrachtet. Wird eine dieser Linien durchbrochen, kommt es laut Charttechnikern zu einem neuen bzw. stärkeren Trend.

Chartformationen

Etwas mehr Aufwand als das Lesen von Candlesticks und das Einzeichnen von Trendlinien stellt das Erkennen von Chartformationen dar.

Es gibt unzählige solcher Chartformationen, aber am bekanntesten ist wohl die klassische Kopf-Schulter-Formation, welche einen Trendwechsel vorhersagen soll. Dabei kommt es zu einem ersten Hoch (der ersten Schulter), einem noch ausgeprägteren Hoch (dem Kopf) und einem dritten Hoch – niedriger als das zweite (das ist dann die zweite Schulter). Von da an geht es abwärts.

2. Markttechnik

Neben der Charttechnik ist auch die Markttechnik ein wichtiger Teilbereich innerhalb der Technischen Analyse.

Mithilfe der Markttechnik möchte man nicht nur die Richtung, sondern auch die Stärke von Kursbewegungen messen. Dabei bedient man sich allerdings nicht dem Chart sondern so genannter Indikatoren wie gleitende Durchschnitte, Trendfolger und Oszillatoren.

Annahmen der Chartanalyse


Damit die Chartanalyse in der Praxis überhaupt funktionieren kann, müssen drei Dinge gegeben sein, die Charttechniker allgemein als Realität akzeptieren:

1. Jede Information ist im Preis enthalten

Der aktuelle Kurs bildet gleichzeitig drei Dinge ab, nämlich den fundamentalen Wert des Wertpapiers, die aktuelle Stimmung am Kapitalmarkt und Insiderinformationen.

Denn oftmals verläuft der Kurs ganz anders als es die fundamentalen Daten und die Stimmung am Markt prophezeien würden. Schuld daran sind Informationen, die nicht jeder Marktteilnehmer hat.

Anders als Fundamentalanalysten und Behavioristen hat der Charttechniker durch den Kurschart einen direkten Zugriff darauf.

2. Die Kurse bewegen sich in Trends

Die Kursbewegungen sind nicht zufällig, sondern es gibt stets einen Trend. Der Markt ist sozusagen von Momentum getrieben.

Natürlich kommt es von Zeit zu Zeit immer wieder zu Trendbrüchen, welche man mit Hilfe der Chartanalyse vorhersagen möchte.

3. Die Geschichte wiederholt sich

Charttechniker gehen davon aus, dass sich Menschen nicht grundsätzlich ändern im Zeitablauf. Deshalb führen bestimmte Chartverläufe auch immer wieder zu demselben künftigen Verhalten.

Künftige Entwicklungen sind daher zu einem gewissen Grad vorhersagbar und aus dem Kursverlauf ableitbar.

Die Technische Analyse als Teil der Finanzmarktanalyse


Mittels Finanzmarktanalyse möchte man herausfinden, ob ein bestimmtes Wertpapier wie zum Beispiel eine Aktie oder auch ein Aktienindex günstig bewertet ist oder nicht. Sprich: Man möchte herausfinden, ob es wahrscheinlicher ist, ob sich die Aktie in Zukunft nach unten, nach oben oder seitwärts entwickelt.

Dabei hat man grob gesagt drei Möglichkeiten um dies herauszufinden: Neben der Technischen Analyse kann man noch auf die Fundamentale Analyse und auf die Behavioral Finance zurückgreifen.

2. Fundamentale Analyse

Bei der fundamentalen Analyse schaut man sich nicht den Kurs eines Wertpapiers bzw. Index an, sondern dessen Bewertung.

Einerseits schaut man sich also die Bilanzen und das Geschäftsmodell eines Unternehmens an. Andererseits schaut man auf die relative Bewertung gegenüber vergleichbaren Unternehmen.

Zum Beispiel vergleicht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zweier Unternehmen miteinander. Man achtet also darauf, wie hoch der Gewinn zum aktuellen Aktienkurs ist. Je niedriger das KGV, desto besser (zumindest in der Theorie).

3. Behavioral Finance

Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger – also unter anderem auch mit der aktuellen Stimmung im Markt.

Einig sind sich die Vertreter der Behavioral Finance übrigens, dass wir Anleger irrational handeln. Doch wer die Eigenheiten versteht, sollte besser dazu in der Lage sein, künftige Entwicklungen vorhersagen zu können.

 

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