Der Cost-Average-Effekt: Gibt es ihn wirklich?

Man liest und hört immer wieder vom Cost-Average-Effekt (auf Deutsch: Durchschnittskosteneffekt). Doch was ist das genau? Und vor allem: Ist wirklich was dran am Cost-Average-Effekt?

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Was ist der Cost-Average-Effekt?


Der Cost-Average-Effekt wird vor allem immer wieder von Banken, Versicherungen und unabhängigen Beratern erwähnt, um dem Kunden einen Sparplan schmackhaft zu machen.

Die Argumentation ist dabei die Folgende:

Bei einer Einmalanlage kann es sein, dass gleich darauf die Kurse fallen und man daher die Anteile zuvor teurer gekauft hat.

Nicht so bei einem Sparplan: Man könnte nämlich auch den Anlagebetrag auf zum Beispiel zehn gleiche Teile aufteilen und somit jeden Monat ein solches Zehntel am Kapitalmarkt investieren.

Geht demnach der Kurs gleich nach der ersten Einzahlung nach unten, ist das kein so großes Problem wie bei der Einmalanlage. Denn man hat ja nur ein Zehntel eingezahlt.

Und es kommt noch besser: Bei der nächsten Einzahlung kauft man billiger nach.

Der Cost-Average- oder Durchschnittskosteneffekt ist nun, dass man beim teureren Kurs weniger Anteile kauft (denn es ist ja nur der Anlagebetrag an sich fix), und bei einem geringeren Kurs kauft man mehr Anteile.

Daraus resultiert, dass man im Schnitt die Kosten für den Kauf eines Anteils gesenkt hat, falls in der Folge die Kurse wirklich nach unten gehen.

Laut den Befürwortern des Cost-Average-Effekts ist der Effekt dabei umso größer, je länger der Sparplan läuft und je volatiler (das heißt je schwankungsintensiver) das Produkt ist, in das man investiert.

Doch schauen wir uns mal ein Beispiel an, wobei wir obigen Fall annehmen, dass die Kurse gleich nach dem Erstkauf fallen:

Wir legen dabei entweder den Betrag von 1.000 Euro gleich am Anfang an. Oder wir teilen die 1.000 Euro auf in zehn Sparraten á 100 Euro.

Wir nehmen weiters an, dass der Kurs zu Beginn derselbe ist wie am Schluss der 10 Monate. Mit einem Einmalerlag hätten wir also weder etwas verloren noch etwas gewonnen. Doch schauen wir uns die Entwicklung beim Sparplan an:

Monat Sparbetrag Kurs Anzahl Anteile
1 € 100 100 1,00
2 € 100 75 1,33
3 € 100 50 2,00
4 € 100 50 2,00
5 € 100 75 1,33
6 € 100 100 1,00
7 € 100 75 1,33
8 € 100 50 2,00
9 € 100 75 1,33
10 € 100 100 1,00
GESAMT 14,33

Wir sehen hier, dass der Kurs zwischenzeitlich ziemlich stark geschwankt hat. Man sagt dazu auch, dass das Wertpapier eine hohe Volatilität hatte.

Genauer gesagt ging das Wertpapier öfters auf 50 und auf 75 Euro runter, bevor es wieder auf den Ausgangswert von 100 Euro zurückging.

Und in der Tat: Wäre dieses Beispiel wirklich eingetreten, dann hätten wir uns über ein schönes Plus in Höhe von 43,3% freuen können!

Denn insgesamt würden wir jetzt nicht bloß über 10 Anteile verfügen wie bei der Einmalanlage, sondern wir hätten jetzt 14,33 Anteile. Das ergibt bei einem derzeitigen Anteilspreis von 100 Euro ein Guthaben von insgesamt 1.433 Euro.

Bei fallenden Kursen gibt es also wirklich einen erfreulichen Cost-Average-Effekt.

Doch wie sieht das Ganze aus, wenn die Kurse steigen?

Gibt es den Cost-Average-Effekt wirklich?


Nehmen wir genau obiges Beispiel wieder her. Doch dieses Mal investieren wir nicht gleich zu Beginn. Wir investieren erst im dritten Monat. Wir kaufen daher zum Kurs von 50 Euro je Anteil.

Wir haben also die Wahl zwischen einer Einmalanlage und acht gleichbleibenden Sparraten. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass wir diesmal 800 Euro investieren um leichter rechnen zu können.

Investieren wir die 800 Euro gleich zur Gänze, dann hätten wir am Ende unser Geld auf 1.600 Euro verdoppelt. Denn der Kurs wäre von 50 auf 100 Euro gestiegen.

Doch wie schaut es jetzt beim Sparplan aus?

Monat Sparbetrag Kurs Anzahl Anteile
1 € 100 50 2,00
2 € 100 50 2,00
3 € 100 75 1,33
4 € 100 100 1,00
5 € 100 75 1,33
6 € 100 50 2,00
7 € 100 75 1,33
8 € 100 100 1,00
GESAMT 12,00

Dieses Mal könnten wir uns am Ende über 12 Anteile zu 100 Euro freuen. Somit hätten wir am Ende 1.200 Euro, was einem Plus von 400 Euro bzw. einer Verzinsung von 50% entspricht.

Das ist zwar ein schöner Erfolg, jedoch deutlich weniger als die 100% bei einer Einmalanlage.

Mein Fazit daher zum Cost-Average-Effekt:


Es gibt diesen Effekt zwar – er ist aber nicht in allen Fällen positiv für uns.

Genauer gesagt profitieren wir vom Cost-Average-Effekt, wenn nach der Erstanlage die Kurse vorübergehend fallen. Und wir profitieren dann umso mehr, je tiefer die Kurse fallen.

Allerdings kann der Cost-Average-Effekt auch gegen uns laufen.

Und das ist dann der Fall, wenn die Kurse in der Folge steigen und nie wieder unter den Kaufkurs fallen. Denn dann hätten wir mit einer Einmalanlage deutlich mehr verdient.

Dennoch kann ein Sparplan Sinn machen. Einerseits kannst du vielleicht nur so beginnen dir ein Vermögen aufzubauen, weil du keinen größeren Einmalbetrag hast, den du veranlagen kannst.

Und außerdem könntest du auch der Meinung sein, dass die Kurse schon ziemlich hoch stehen, weil die Börsen die letzten Jahre gut gelaufen sind. Auch dann kann es Sinn machen, einen Geldbetrag eher aufgeteilt an der Börse zu investieren.

Im Großen und Ganzen schlägt tendenziell allerdings die Einmalanlage den Sparplan. Denn überleg mal: Die Börsen gehen langfristig in die Höhe. (siehe auch mein Artikel „Welche Renditen haben Aktien und Anleihen bisher gemacht?„) Demnach ist der heutige Kurs tendenziell niedriger als der Kurs im nächsten Jahr.

Und somit liegt man wohl mit der Einmalanlage rein statistisch betracht in mehr als der Hälfte der Fälle besser als mit einem Sparplan. Und wenn dir dein Berater etwas anderes erzählen will, dann such dir besser einen anderen Berater 😉

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