Wie kann ich Ertrag und Risiko noch weiter optimieren?

Wenn du die Artikelserie bis hier hin verfolgt hast, dann solltest du bereits eine gute Vorstellung davon haben, wie du dein Geld zwischen Aktien und Anleihen aufteilen möchtest.

Im heutigen Artikel werden wir diese Asset Allokation noch etwas optimieren (und zwar sowohl was den erwarteten Ertrag als auch das Risiko auf Portfolioebene betrifft).

… … …

Dabei ergeben sich vor allem drei Fragen:

  1. Wie soll mit Währungsrisiken umgegangen werden?
  2. Gibt es Möglichkeiten, den erwarteten Ertrag zu erhöhen?
  3. Gibt es Möglichkeiten, die Risiken im Portfolio zu senken?

 Gehen wir diese Fragen am besten der Reihe nach durch …

(Achtung: Dieser Artikel ist schon etwas für Fortgeschrittene. Stell zuerst sicher, dass du die bisherigen Artikel dieser Serie gelesen hast. Denn am wichtigsten sind deine Ziele, deine Risikoneigung und die grundlegende Aufteilung in Aktien und Anleihen. Die Inhalte hier sollen Ertrag und Risiko noch zusätzlich optimieren – es handelt sich also um Spezialtipps und nicht mehr um reine Grundlagen der Geldanlage.)

Der Umgang mit Währungsrisiken


Wenn es um den Umgang mit Währungsrisiken geht, dann muss man bei der Optimierung unterscheiden, ob es um die Sicherheitskomponente oder um die Performancekomponente im Portfolio geht.

Bei der Sicherheitskomponente – also bei Anleihen und Geldmarktveranlagungen – sollte man meiner Meinung nach auch währungsseitig auf der sicheren Seite sein. Wenn es um Staatsanleihen geht, dann haben zum Beispiel Deutschland und Österreich kein allzu großes Ausfallrisiko.

Es macht dann aus meiner Sicht wenig Sinn, aus Diversifikationsgründen zusätzlich US-amerikanische oder kanadische Staatsanleihen zu kaufen und sich damit Währungsrisiken auszusetzen (denn das Währungsrisiko ist viel größer als das Ausfallrisiko deutscher oder österreichischer Staatsanleihen).

Staatsanleihen bester Bonität sollen ja dafür sorgen, dass dein Portfolio nicht zu sehr schwankt im Zeitablauf. Deshalb kommen dafür auch nur auf Euro lautende Papiere in Betracht. Da Währungen mehr schwanken als Anleihen bester Bonität, würde man sich nur zusätzliche Risiken damit einkaufen.

Das lässt sich auch leicht mit Zahlen untermauern. Nehmen wir als Beispiel die Jahre von 1970 bis 2017 her. Hätten wir Anfang 1970 100 Euro in Dollar eingetauscht und diese unter das Bettkissen gelegt, dann hätten wir Anfang des Jahres 2018 nur noch 44,67 Euro (= -1,66% p.a.), da der Dollar in diesen 48 Jahren gefallen ist gegenüber dem Euro.

Und auch wenn das in Zukunft nicht mehr der Fall sein muss, vielleicht der Dollar sogar steigt im Verhältnis zum Euro – die jährlichen Schwankungen sind nicht zu vernachlässigen:

Im Beobachtungszeitraum betrug die jährliche Standardabweichung nämlich 12,27%. Das heißt, dass statistisch gesehen die jährlichen Fremdwährungskursgewinne und -verluste in gut zwei Drittel der Fälle zwischen -13,93% und +10,61% liegen müssten. In jeweils knapp einem Sechstel der Fälle musste man demnach mit noch höheren Währungsverlusten rechnen als mit -13,93%.

Im Vergleich dazu betrug die Standardabweichung beim REXP gerade mal 4,87% bei einer jährlichen Durchschnittsrendite von 6,29%.

Man sieht also: Durch Hinzunahme des Währungsrisikos würde aus einer riskoarmen Asset-Klasse wie Staatsanleihen bester Bonität mit einem Mal ein weit risikoreicheres Investment (und das bei in etwa gleichbleibenden Renditeerwartungen).

Oder vergleichen wir mal die Entwicklung zweier Staatsanleiheindizes miteinander:

Zum einen vergleichen wir besagten REXP mit einem weltweiten Staatsanleiheindex, dem Citigroup World Government Bond Index. In Euro umgerechnet hatte letzterer während eines 20-jährigen Zeitraumes (nämlich von 1998 bis Ende 2017) eine jährliche Durchschnittsrendite von 4,33% bei einer jährlichen Standardabweichung von 7,03%.

Der REXP hatte hingegen im gleichen Zeitraum eine mit 4,38% praktisch idente Rendite wie der WGBI. Jedoch war die Standardabweichung mit 3,67% sehr deutlich niedriger.

Eine noch deutlichere Sprache spricht der maximale Verlust in einem Kalenderjahr. Und da hätten wir mit dem REXP maximal 1,95% Verlust gemacht (im Jahr 1999). Beim WGBI hätte der maximale Verlust in diesen 20 Jahren hingegen 7,88% betragen (im Jahr 2013, in dem der REXP nur 0,49% verloren hat).

Doch wie sieht die Sachlage bei der Performancekomponente aus – also bei Aktien?

Viele Investmentfonds und ETFs bieten ja eine eigene Anlageklasse an, wo Fremdwährungsrisiken komplett mittels Forwards bzw. Futures abgesichert werden. Eignen sich diese womöglich besser für unsere Zwecke als ungesicherte Fonds?

(Übrigens: Nur weil ein Fonds in Euro notiert, heißt das noch lange nicht, dass Fremdwährungsrisiken abgesichert werden. Es bedeutet nur, dass die darin enthaltenen Vermögenswerte tagesaktuell in Euro umgerechnet werden. Wenn man eine währungsgesicherte Anlageklasse will, dann muss man auf den Zusatz „hedged“ achten. Wenn das dabei steht, dann handelt es sich nämlich wirklich um eine währungsgesicherte Anlageklasse. Steht nichts dabei bzw. steht der Zusatz „unhedged“ dort, dann werden Währungsrisiken nicht abgesichert.)

Doch es ist gar nicht so leicht, eine Währungsabsicherung zu simulieren. Ich bin dabei so vorgegangen:

  1. Ich habe mir die Libor-Zinssätze für den US-Dollar und den Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren rausgesucht (ebenso wieder von 1998 bis Ende 2017). Dabei habe ich mir jeweils den Libor-Zinssatz für 12 Monate am Jahresanfang notiert.
  2. Dann habe ich beide Libor-Sätze miteinander verglichen. Ist der US-Dollar Libor höher als der Euro Libor, dann kostet uns die Währungsabsicherung genau die Differenz (von zusätzlichen Kosten bin ich bei meinen Berechnungen nicht ausgegangen). Wenn man sich das genauer überlegt ist es ja auch logisch. Sonst könnte man ganz leicht mittels Future den US-Dollar absichern und damit komplett risikolos von der höheren Verzinsung in den USA profitieren. Da man aber die Zinsdifferenz bei Abschluss eines Futurekontrakts zahlen muss, sind solche Arbitragemöglichkeiten von vornherein ausgeschlossen.
  3. Ich bin in meinen Berechnungen davon ausgegangen, dass ich jeweils zum Jahresanfang 50% des Portfoliowerts gegen US-Dollar-Schwankungen abgesichert habe. Dies deshalb, weil der USA-Anteil gut 50% ausmacht am MSCI-World Aktienindex. Weitere Absicherungen wie eine EUR/JPY-Absicherung habe ich nicht kalkuliert.

Das Ergebnis zeigt, dass eine Absicherung durchaus etwas gebracht hätte – auch wenn der Effekt nicht allzu groß ist und ich nicht von zusätzlichen Transaktionskosten ausgegangen bin.

Genauer gesagt hätte uns der nicht währungsgesicherte MSCI World in diesen 20 Jahren eine jährliche Rendite von 6,02% gebracht. Die währungsgesicherte Variante hätte uns mit 6,19% eine leicht bessere Rendite beschert (da auch in den letzten 20 Jahren der Dollar gegenüber dem Euro leicht abgewertet hat).

Vor allem aber ist bei der währungsgesicherten Variante das Risiko gesunken: Die jährliche Standardabweichung hätte nämlich nur mehr 17,99% betragen. Bei einer unterlassenen Währungsabsicherung hätte die Standardabweichung im Unterschied dazu 19,03% betragen.

Da nicht von vornherein davon auszugehen ist, dass der Dollar auch in Zukunft abwertet, macht es vor allem langfristig keinen großen Unterschied, ob man sich gegen Währungsschwankungen absichert oder nicht. Zudem müsste man noch Transaktionskosten abziehen – auch wenn diese relativ gering sind. Nichts destotrotz ist dadurch aber die erwartete Rendite bei der währungsgesicherten Variante etwas niedriger.

Allerdings sind die kurz- bis mittelfristigen Schwankungen geringer als sie es ohne eine Absicherung wären. Eine eindeutige Empfehlung pro oder contra Währungsabsicherung kann aber nicht gegeben werden.

Oder sollte man stattdessen nur in europäische Aktien investieren?

Bei Anleihen haben wir bereits festgestellt, dass eine Diversifikation über Europa hinaus keinen Mehrwert in punkto Risikoreduktion bringt. Im Gegenteil: Das Risiko in Form der Standardabweichung bzw. Volatilität würde sogar noch zunehmen.

Doch wie ist das bei Aktien? Ist der MSCI World risikoreicher oder der MSCI Europe? Was hat also eine größere Auswirkung: Zusätzliche Diversifikationseffekte durch eine Hinzunahme weiterer Aktien weltweit oder das zusätzliche Währungsrisiko?

Die Antwort ist: Da Aktien eine höhere Volatilität haben als Währungen und Aktien über unterschiedliche Regionen hinweg eben nicht perfekt korrelieren, ist ein Investment in den Weltaktienindex mit weniger Risiko behaftet als wenn man nur in Europa investieren würde. Und diese Aussage war im beobachteten Zeitraum von 20 Jahren sogar dann korrekt, wenn man keinerlei Währungsschwankungen abgesichert hätte.

So betrug die jährliche Standardabweichung beim MSCI Europe nämlich 19,77% im Vergleich zu 19,03% beim nicht währungsgesicherten MSCI World.

Leider war die letzten 20 Jahre auch die Rendite schlechter beim MSCI Europe. Statt 6,02% (nicht währungsgesichert) bzw. 6,19% (US-Dollar-währungsgesichert) kamen nur 5,38% an jährlicher Rendite heraus. Schuld sind vor allem die Jahre 2014 bis 2017, in denen der MSCI Europe dem MSCI World hinterhergehinkt ist.

Fazit: Eine Währungsabsicherung bei einem global anlegenden Aktienfonds oder ETF kann man überlegen. Eine reine Investition in den MSCI Europe statt in den MSCI World ist aber keine so gute Idee, da die Renditeerwartung beim MSCI World gleich groß ist wie beim MSCI Europe, gleichzeitig das Risiko in Form der Volatilität geringer ist.

Eine relative Übergewichtung des MSCI Europe ist aber durchaus überlegenswert. Denn momentan hat die USA einen Anteil von etwa 60% am MSCI World. Das ist nicht wirklich gerechtfertigt. Als europäischer Investor ist es meiner Meinung nach eine gute Idee, den Europaanteil höher anzusetzen als der MSCI World Weltaktienindex das tut. Man sollte nur nicht ausschließlich dort investieren.

Faktoren, die einen Zusatzertrag bringen


Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton haben in ihrem Buch „Triumph of the Optimists“ Aktien- und Anleihenrenditen über ein ganzes Jahrhundert analysiert (also von 1900 bis 2000). Dabei haben sie auch Faktoren wie Large vs. Small Caps und Value vs. Growth analysiert. Und genau darauf möchte ich aufbauen und ihre Ergebnisse kurz zusammenfassen. Sodann möchte ich das ganze noch mit aktuelleren Daten ergänzen – genauer gesagt mit Daten von 2004 bis Ende 2017 (also über einen Zeitraum von 14 Jahren), da ich bei diesen speziellen Indizes leider nicht auf längere Datenreihen Zugriff hatte.

Schauen wir uns mal an, was das Autorentrio zu Größeneffekten sagt:

Was Small Caps im Vergleich mit Large Caps betrifft, liegen hier vor allem Daten aus den USA und Großbritannien vor:

In den USA hat man die Jahre 1926 bis 2001 analysiert. Und während dieser langen Zeitspanne hätte man (in US-Dollar) mit US-Small-Cap-Aktien eine jährliche Rendite von 11,9% erzielt. Mit US-Large-Caps hätte die jährliche Rendite 10,6% betragen. Somit schlugen in diesen Jahren Small Caps die größeren Aktien mit 1,3% pro Jahr.

Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass es dazwischen immer wieder längere Zeiträume gab, in denen Large Caps besser performt haben als Small Caps.

Für Groß Britannien liegen uns Daten von 1955 bis 2000 vor. Da in diesem Zeitraum der Weltkrieg nicht enthalten ist und genauso wenig das schlechte Aktienjahr 2001, lagen hier die durchschnittlichen Renditen generell höher.

Doch das macht nichts. Uns interessiert ja jetzt nur, ob es einen Unterschied gab zwischen Small Caps und Large Caps. Und der Unterschied war sogar noch deutlich größer als in den USA.

Large Caps brachten es auf eine jährliche Rendite von 14,9%. Small Caps brachten sogar eine Rendite von 17,6%. Und Micro -Caps – also das unterste Prozent was die Börsenkapitalisierung betrifft – brachten es gar auf 20,8% p.a.

Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass Small und Large Caps nicht perfekt miteinander korrelieren. Somit helfe eine Übergewichtung von Small Caps auch, das Risiko des Gesamtportfolios – ausgedrückt durch die Volatilität – zu senken.

Schauen wir uns jetzt wieder aktuellere Zeiträume an:

Diesmal liegen mir Daten für 14 Jahre vor (2004 bis 2017). Um einen Vergleichsmaßstab zu haben, habe ich deshalb noch mal die Rendite des MSCI World (unhedged) bzw. des MSCI Europe für diese 14 Jahre berechnet. Die jährliche Rendite lag dabei bei 8,27% (MSCI World) und 7,11% (MSCI Europe). Die Standardabweichung betrug 15,79% (MSCI World) und 17,54% (MSCI Europe).

Im Vergleich zur jährlichen Rendite des MSCI World in Höhe von 8,27% machte man mit dem MSCI World Small Cap Index eine um mehr als 2% p.a. höhere Rendite. Genauer gesagt erzielte der MSCI World Small Cap Index eine jährliche Rendite von 10,34% in den Jahren 2004 bis 2017. Die jährliche Standardabweichung in diesem Zeitraum war mit 19,79% aber deutlich höher (um exakt 4% höher als beim MSCI World).

(Übrigens: Der MSCI World Aktienindex umfasst 85% der weltweiten Marktkapitalisierung. 70% der Marktkapitalisierung werden als Large Caps angesehen. Die weiteren 15% sind Mid-Caps. Somit besteht der MSCI World aus Large- und Mid-Cap-Aktien, enthält aber keinerlei Small-Caps.)

Betrachten wir nun den MSCI World Europe Small Cap Index. Und da fällt die hohe Standardabweichung auf. Hätte man nur in europäische Small Caps investiert, dann wäre diese 26,6% gewesen in den betrachteten 14 Jahren.

Allerdings war hier die letzten Jahre auch die Rendite wesentlich größer noch als beim weltweiten Small Cap Index (womit aber langfristig eher nicht zu rechnen ist – der Erwartungswert ist gleich groß wie bei anderen Small Caps weltweit). Genauer gesagt hätten wir uns von 2004 bis 2017 über eine jährliche Rendite von 11,72% freuen können. Im Vergleich zu den 7,11% beim MSCI Europe macht das eine Outperformance von etwa 4,5% p.a.

Doch wie sieht es mit einer Mischung der Indizes aus? Kann man, wie Dimson et al. angegeben haben, durch eine Beimischung von Small Caps zu Large Caps das Risiko in Form der Standardabweichung senken? Und da muss man leider sagen, dass das nicht möglich war in den letzten 14 Jahren.

Schon eine geringfügige Beimischung von Small Caps hätte die Standardabweichung bereits leicht erhöht. Hätte man beispielsweise zu 75% in den MSCI World und zu 25% in den MSCI World Small Cap investiert, dann wäre die Standardabweichung von 15,79% auf 16,65% angewachsen. Allerdings wäre dadurch auch die Rendite von 8,27% auf 8,82% gestiegen.

Doch wie gesagt: Es gab Zeiträume in der Vergangenheit, in denen Large Caps mehr Rendite brachten als Small Caps. Und zwar auch über mehrere Jahre hinweg. Diese Zahlen sind also keineswegs eine Garantie dafür, dass es auch in Zukunft so sein wird. Die Wahrscheinlichkeit ist aber zumindest mal auf unserer Seite.

Schauen wir uns jetzt an, was das Autorentrio zu Value vs. Growth sagt:

Auch hier liegen wiederum Daten aus den USA und Großbritannien vor:

In den USA wurden wiederum die Jahre 1926 bis 2001 analysiert. Zum einen hat man dabei Large-Cap-Aktien in jene geteilt, die eine hohe Dividendenrendite einbrachten und in jene, bei denen das nicht der Fall war.

Es zeigte sich, dass Aktien mit einer hohen Dividendenrendite 12,2% p.a. einbrachten, Aktien mit einer geringen oder nicht vorhandenen Dividendenrendite allerdings nur 10,4%. Der Gesamtmarkt brachte in dem Zeitraum 10,6%.

Eine weitere Analyse wurde mit Hilfe des Kurs-Buchwert-Verhältnisses gemacht. Man unterteilte in jene Aktien, deren Kurs gering war im Verhältnis zum Buchwert und in jene, bei denen genau das Gegenteil der Fall war. Es zeigte sich, dass hierbei die Renditeunterschiede noch größer waren. Aktien mit einem hohen Kurs im Vergleich zum Buchwert brachten nur 10,2% p.a. Günstig bewertete Aktien kamen hingegen auf eine Rendite von 13,7%. Das sind um 3,1% mehr als der Gesamtmarkt.

In Großbritannien lag nun sogar eine Studie vor, die ein gesamtes Jahrhundert umfasste (von 1900 bis 2000). Dabei verglich man Aktien mit hoher Dividendenrendite zum Gesamtmarkt bzw. zu Aktien mit geringer Dividendenrendite.

Der Gesamtmarkt machte 10,1% – Aktien mit hoher Dividendenrendite hingegen 11,5% und welche mit geringer oder keiner Dividendenrendite nur 8,6%. Also zeigt sich: Sowohl in den USA als auch in Großbritannien waren Value-Aktien besser als Growth-Aktien.

Und wie verliefen die letzten Jahre?

Genaue Daten zu Value vs. Growth zu finden, ist alles andere als einfach. Zunächst versteht jeder etwas anderes unter Value. Und auch der Indexanbieter MSCI hat gleich mehrere Value-Indizes zur Auswahl. Aufgrund eines Blogbeitrages eines MSCI-Mitarbeiters habe ich den MSCI World Enhanced Value Index als Vergleichsmaßstab auserkoren.

Dieser ist hoch konzentriert in Value (anders als z.B. der MSCI World Value Index, der nur eine leichte Übergewichtung aufweist) und er ist relativ gesehen in den USA untergewichtet. Was ja aufgrund des ohnehin großen Gewichts der USA aus Sicht von uns Europäern nicht verkehrt ist.

Leider konnte ich diesmal nur die Daten für den Net-Index finden – also ohne Dividenden. Trotzdem: Es war eine Outperformance da.

Genauer gesagt betrug die Outperformance des MSCI World Enhanced Value gegenüber dem normalen MSCI World exakt 1,6% p.a. Somit bestätigte sich zumindest der Renditevorteil von Value gegenüber Growth in den Jahren von 2004 bis 2017. Allerdings fällt auf, dass dieser Renditevorsprung zwischen 2004 und 2006 aufgebaut wurde. Danach rentierten Value-Aktien keineswegs höher als Growth-Aktien.

Zudem war natürlich auch das Risiko anhand der Standardabweichung höher, da wir ja nur in einen Teil des MSCI World investiert hätten. Somit wäre uns ein Teil der Streuung durch die Lappen gegangen. Konkret betrug die Standardabweichung 18,61%, verglichen mit bloß 15,71% beim MSCI World Net Returns.

Emerging-Market-Aktien können ebenfalls eine Mehrrendite bringen:

Leider fehlen langfristige Daten was Emerging Markets betrifft. Oder anders ausgedrückt: Die Zusammensetzung jener Länder, die zu den Emerging Markets zählen, ändert sich im Zeitablauf. Vor etwa 150 Jahren hätte man auch die USA noch hinzuzählen müssen.

Schauen wir uns aber wieder die 14 Jahre von 2004 bis 2017 an. Wie hoch war die Rendite und das Risiko des MSCI World Emerging Markets?

In punkto Rendite wäre ein Investment in den MSCI World Emerging Markets hoch erfreulich gewesen. Die jährliche Rendite hätte nämlich 10,46% betragen (im Vergleich zu 8,27% im MSCI World unhedged).

Allerdings war das Risiko ebenfalls sehr viel höher. Die Standardabweichung in diesen 14 Jahren betrug sage und schreibe 28,76% (im Vergleich zu 19,03% beim MSCI World unhedged). Im Jahr 2008 betrug das Minus gar 51,10%!

Das Argument, Emerging Market Aktien würden nur gering mit den Aktien entwickelter Märkte korrelieren, stimmt auch nicht ganz. Denn gerade in den negativen Jahren 2008 und 2011 hätte man mit einer Beimischung von Emerging Markets ein noch größeres Minus hinnehmen müssen.

Als Beimischung zur Renditesteigerung dürften sich Aktien aus den Emerging Markets also eignen – zur Beimischung, um damit Risiken für das Gesamtportfolio zu reduzieren, allerdings nicht.

Das Portfolio noch weiter diversifizieren


Wir haben jetzt festgestellt, dass ein Investment in Large Cap Value, in Small Caps und in Emerging Market Aktien die erwartete Rendite auf lange Sicht steigern sollte. Allerdings würde dadurch auch die Volatilität etwas zunehmen im Vergleich zu einem Investment in den MSCI World.

Gibt es vielleicht auch Asset-Klassen, die das Risiko unseres Portfolios wieder etwas reduzieren können? Werfen wir dazu einen Blick auf Emerging Market Anleihen, Geldmarktveranlagungen, Rohstoffinvestments und Hedge Fonds

Sollte man in Schwellenländeranleihen investieren?

Viele Buchautoren – unter anderem auch Gerd Kommer mit seinem bekannten ETF-Buch – sind der Ansicht, dass man neben Geldmarktpapieren, Anleihen und Aktien maximal noch in Rohstoffe investieren sollte. Anleihen der Emerging Markets hingegen seien keine so gute Idee.

Die Zahlen sagen aber etwas anderes aus …

Ich habe dazu die jährlichen Renditen des weltweit bekannten Index für Schwellenländeranleihen – des JP Morgan EMBI Global Diversified – bis Ende 2017 herausgesucht. Dabei konnte ich diesen Index bis zurück ins Jahr 1998 berücksichtigen.

Und es zeigte sich, dass Anleihen der Emerging Markets sehr wohl mit Aktien mithalten können. In den diesen 20 Jahren wäre man damit sogar besser gestellt gewesen als mit einem Investment in den MSCI-World – und zwar sowohl was die Rendite als auch das Risiko betrifft.

Die jährliche Rendite des JPM EMBI Gl Div betrug nämlich in diesem Zeitraum 8,34% und war damit deutlich höher als die errechneten 6,02% beim MSCI World (unhedged). Und die jährliche Standardabweichung betrug 14,05% (im Vergleich zu 19,03% beim MSCI World. In Dollar hätte die Standardabweichung sogar nur 9,64% betragen).

Natürlich zeichnen 20 Jahre noch kein komplettes Bild. Dennoch ist klar ersichtlich, dass man eine Beimischung in Emerging Market Anleihen zumindest in Erwägung ziehen sollte. In den letzten 20 Jahren hätte man damit sogar das schier unmögliche fertig gebracht – eine höhere Rendite bei geringerem Risiko.

Der maximale Verlust hätte dabei in Euro -14,05% betragen und 2011 hätte man im Gegensatz zu Aktien gar kein Minus gemacht. Dafür wäre man aber 2006 und 2013 im Minus gewesen.

Sollte man in den Geldmarkt investieren?

Manche sind der Ansicht, dass die Sicherheitskomponente des Portfolios nicht aus mittel- bis langfristigen Staatsanleihen bestehen sollte (bei unseren Berechnungen handelte es sich um ebensolche mittelfristige Staatsanleihen in Form des deutschen Rentenindex REXP). Vielmehr sollte man das mit kurzfristigen Anleihen bzw. Geldmarktinstrumenten abdecken – und zwar ebenfalls mit Papieren höchster Bonität aus Deutschland bzw. auch aus Österreich.

Doch schauen wir uns gleich mal wieder an, was das in punkto Rendite und Risiko bedeutet hätte. Hierzu nehme ich erneut die Euro-Libor-Daten. Und wir sehen uns diese ebenfalls wieder über 20 Jahre an (also von 1998 bis 2017).

Dabei berücksichtige ich wieder den 12-Monats-Libor am Anfang des jeweiligen Jahres. Wir gehen also davon aus, dass wir unser Kapital jeweils am Jahresanfang für 12 Monate gebunden und genau diese Verzinsung dafür erhalten hätten.

Zuerst einmal zur Rendite: Diese betrug über die letzten 20 Jahre 2,35% per annum. Vergleichen wir das mit den 4,38% beim REXP über den selben Zeitraum, sieht man schon, dass längere Laufzeiten tendenziell auch höhere Renditen bedeuten.

Zudem betrug die Inflation (gemessen am österreichischen Verbraucherpreisindex) über die letzten 20 Jahre 1,86% p.a. Da aber auch Steuern auf obige Zinsen fällig werden, hätten wir bei einer angenommenen KESt von 25% bereits einen kaufkraftbereinigten Verlust hinnehmen müssen.

Doch wie steht es um die jährliche Standardabweichung der Renditen? Diese war am Geldmarkt natürlich äußerst gering. Im Falle des 12-Monats-Libor betrug sie lediglich 1,54%. Und das Schöne daran: Nur im Jahr 2017 durften wir uns keinerlei Wertzuwachs erwarten. In den restlichen Jahren war die Rendite nominell gesehen immer positiv (das galt im Übrigen auch für die Jahre vor 1998). Beim REXP gab es hingegen in diesem Zeitraum sehr wohl auch negative Jahre.

Mein Fazit für Geldmarktveranlagungen: Wenn du ein besonders konservativer Investor bist, dann bist du hier wohl richtig aufgehoben. Für alle anderen ist diese Form des Investments eher für die Liquiditätsreserve bzw. auch für die erweiterte Reserve geeignet. Ansonsten kann man sehr wohl auch mittelfristige Staatsanleihen als stabilisierende Komponente für sein Portfolio wählen. Denn diese erzielen bei mäßigem Risiko doch langfristig eine Outperformance gegenüber Geldmarktinstrumenten.

Aber Achtung: Aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus würden sich steigende Zinsen derzeit negativ auf die Kurse von mittel- bis langfristigen Anleihen auswirken. Kurzfristig ist es demnach denkbar, dass du mit Geldmarktinstrumenten besser bedient bist.

Sollte man Rohstoffe beimischen?

Bei Rohstoffen scheiden sich die Geister. Zum einen argumentieren viele, dass gewisse Rohstoffe immer knapper und daher im Preis steigen werden. Andere sind allerdings der Ansicht, dass die Technologie und damit die Effizienz bei der Gewinnung und Verarbeitung immer besser wird.

Fakt ist jedenfalls, dass man über einen langen Zeitraum zumindest die Inflation mit Rohstoffen hereingebracht hätte. Und bei einem Investment via Rohstoff-Futures (bzw. via ETFs, die in solche investieren) wäre sogar ein höherer jährlicher Ertrag möglich gewesen, der auf lange Sicht zwischen jenem bei Anleihen und bei Aktien liegt.

Der Ertrag eines Rohstoff-Futures setzt sich nämlich aus drei Komponenten zusammen: der Spot-Rendite (also der zugrundeliegenden Wertsteigerung bei den einzelnen Rohstoffen), der Rollrendite (welche normalerweise negativ ist, da mit einem physischen Besitz der Rohstoffe Kosten wie z.B. zur Lagerhaltung anfallen würden) und der Sicherheitenrendite (zu Beginn wird eine Sicherheitsleistung gefordert, die für die Laufzeit des Futurekontrakts auf dem Geldmarkt angelegt wird).

Rohstoffe können demnach durchaus Sinn machen, jedoch würde ich sie maximal als kleine Beimischung empfehlen.

(Anmerkung: Aufgrund der vielen verschiedenen Indizes und der unterschiedlichen Berechnungsarten kann ich hier keine seriöse Vergleichsrechnung anstellen. Selbiges gilt leider auch für die nächste dargestellte Asset-Klasse der Hedge Fonds.)

Sollte man Hedge Fonds beimischen?

Hedge Fonds werden ebenfalls sehr kontrovers diskutiert. Und leider muss man sagen, ist bei diesen auch die Transparenz in vielen Fällen nicht gegeben. Zudem hängt hier auch sehr viel vom Können des Fondsmanagers ab.

Deshalb erfordert ein erfolgreiches Investment in Hedge Fonds viel Geschick, weshalb sie für den durchschnittlichen Investor nicht zu empfehlen sind. Dennoch gibt es meiner Meinung nach einige interessante Fonds im Bereich der Long/Short-Equity, Equity-Market-Neutral und auch der Merger-Arbitrage, deren Renditeerwartung bei gutem Management zwischen jener von Anleihen und Aktien ist – bei einer Standardabweichung, welche jener der Anleihen entspricht.

(Weitere Details zu Hedgefonds habe ich in einem eigenen Beitrag veröffentlicht.)

Mein Fazit in punkto Asset Allokation


Die strategische Asset Allokation hast du ja bereits in den beiden vorangehenden Artikeln bestimmen können (hier und hier). Wenn es sodann um die Optimierung der Asset Allokation geht, also um die genaue Aufteilung innerhalb der Aktien- und der Anleiheinvestments, dann kann ich dir folgende Empfehlungen machen:

Empfehlungen für die Sicherheitskomponente (= Anleihen bester Bonität):

  • Da mittelfristige Staatsanleihen beispielsweise aus Deutschland und Österreich nur ein moderates Risiko beinhalten, sind sie langfristig aus Renditesicht besser geeignet als kurzfristige Anleihen und Geldmarktinstrumente.
  • Investiere nur in Staatsanleihen, die in Euro denominiert sind. Alles andere würde einfach nur die Risiken erhöhen ohne Aussicht auf langfristige Mehrrendite.

Empfehlungen für die Performancekomponente (= Aktien):

  • Setze eher auf eine globale Streuung statt auf eine rein europäische. Allerdings kann es eine Überlegung wert sein, Europa relativ gesehen überzugewichten.
  • Wenn dir an einer geringeren Volatilität gelegen ist – und du geringe zusätzliche Transaktionskosten in Kauf nimmst – dann entscheide dich für eine Anlageklasse, die Währungsrisiken absichert.
  • Um die erwartete Rendite langfristig zu steigern, kannst du statt in den MSCI World bzw. MSCI Europe in einen Investmentfonds oder ETF investieren, der ausschließlich in Value-Aktien veranlagt.
  • Um deine erwartete Rendite zusätzlich zu steigern, bieten sich Investments in Small-Caps sowie Emerging-Market-Aktien an. Unter Umständen könnten auch Investmentfonds, die in Micro-Caps investieren, interessant sein.

Empfehlungen zur zusätzlichen Diversifikation:

  • Ein Investment in Schwellenländeranleihen sollte auf jeden Fall überlegt werden. Entweder direkt in den Index via ETF oder aber über gut gestreute Investmentfonds (gerade bei Schwellenländeranleihen konnten aktiv gemanagte Fonds oftmals eine Überrendite gegenüber ETFs erzielen).
  • Eine Beimischung von Rohstoffen kann auch überlegt werden. Hedge Fonds eignen sich meiner Meinung nach aber nur für sehr gut informierte Anleger.

 

Hier geht es zum nächsten Teil der Serie:

Welche Produkte eignen sich zur Geldanlage?

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