Was ist ein ETF?

ETF ist die Abkürzung für „Exchange Traded Funds“. Es handelt sich dabei um Investmentfonds, deren Anteile NICHT über die Fondsgesellschaft selbst begeben werden, sondern wie Aktien an der Börse ge- und verkauft werden.

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Mit ETFs ist es vor allem auch Privatinvestoren möglich, in Wertpapierindizes zu investieren, wie zum Beispiel dem deutschen Aktienindex DAX. Denn ETFs sind nicht aktiv gemanagt, sondern versuchen einen Index möglichst korrekt nachzubilden. Man spricht in diesem Sinne auch von passivem Management.

In den USA gibt es diese börsengehandelten Indexfonds schon länger, bei uns wurden sie erst in den letzten Jahren so richtig populär. Mittlerweile ist ihr Wachstum sogar um einiges größer als jener bei traditionellen Investmentfonds. Manche glauben sogar, dass ETFs den klassischen Fonds über kurz- oder lang den Rang ablaufen könnten.

Doch sehen wir uns als erstes Mal die Vor- und Nachteile dieses Investmentvehikels an:

Die Vor- und Nachteile von ETFs


Unter Anlegern und auch unter Investmentprofis ist ein Streit entbrannt. Die einen sind überzeugt von den Exchange Traded Funds, die anderen betonen die Nachteile und sehen darin sogar große Risiken für das Finanzsystem.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht Partei für die eine oder andere Seite ergreifen, sondern lediglich einige der Argumente anführen, die für oder gegen ETFs im Gegensatz zu traditionellen (also aktiv gemanagten) Investmentfonds sprechen.

Sehen wir uns zuerst einmal die Argumente der Fürsprecher an:

(+) Mehr als die Hälfte der aktiv gemanagten Investmentfonds liegt zwangsläufig hinter dem Index.

An diesem Argument ist was dran. Allein mathematisch kann es nämlich gar nicht anders sein. Auf den internationalen Finanzmärkten tummeln sich ja vor allem institutionelle Investoren – private Anleger, die direkt in Einzeltitel investieren, sind eher die Ausnahme.

Eine Form, wie institutionelle Marktteilnehmer dort auftreten, ist via Investmentfonds. Somit bilden diese Fonds auch einen großen Teil des Marktes ab. Und wenn wir davon ausgehen, dass der durchschnittliche Investmentfonds genauso gut ist wie die restlichen Veranlagungen der institutionellen Marktteilnehmer, dann repräsentieren diese Investmentfonds auch irgendwie den Gesamtmarkt.

Und jetzt überleg mal: Wenn diese Investmentfonds den Gesamtmarkt repräsentieren, dann ist der durchschnittliche Fonds genauso gut wie dieser Gesamtmarkt – sprich genauso gut wie der Index.

Und genau das ist das Problem: Wenn du als Fondsmanager nur so gut bist wie der Index, dann lieferst du unterm Strich eine deutlich schlechtere Rendite. Denn der Index versteht sich ohne Kosten. Aktives Fondsmanagement allerdings verursacht Kosten – und in manchen Fällen auch keine allzu geringen.

Da ETFs eben nicht aktiv gemanagt werden, sind auch weit geringere Gebühren notwendig. Im Schnitt liefern sie daher eine bessere Rendite als klassische Investmentfonds.

(+) Breite Streuung auf viele unterschiedliche Einzeltitel

Dieses Argument für ETFs trifft vor allem im Vergleich zur Investition in Einzeltitel zu. Es ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass man sein ganzes Geld nicht in eine Aktie investieren sollte. Vielmehr sollte man breit streuen.

Und genau das ist mit ETFs genauso gut möglich wie mit Investmentfonds. In der Regel investiert man via ETFs sogar in noch mehr Einzeltitel als mit einem klassischen Investmentfonds, da man damit ja theoretisch in alle Einzeltitel des jeweiligen Index investiert (allerdings kommt es dabei auch auf die genaue Konstruktion des ETF an).

(+) Mit ETFs kann man die Regionen- und Branchenverteilung besser steuern

Vor allem Dachfonds investieren immer häufiger in ETFs. Der Grund ist oftmals der, dass sie eine bestimmte Marktmeinung haben und diese genauso umsetzen möchten. Sie möchten also so und so viele Prozent des Kapitals in eine bestimmte Branche oder Region investieren.

Bei einem klassischen Investmentfonds kann man diese Branchen- und Regionenverteilung zwar auch herausfinden – allerdings ändert sich diese ständig, da das Management den Fonds eben aktiv managt.

Es kann aber sein, dass man das als Investor gar nicht will. Bei ETFs habe ich nämlich mittlerweile die Möglichkeit, fast jede Region und Branche der Welt genau abzubilden.

(+) Kein Emittentenrisiko im Vergleich zu Indexzertifikaten

Früher waren vor allem Indexzertifikate en vogue um damit in bestimmte Indizes zu investieren. Doch diese hatten eine Reihe von Nachteilen. Sie waren vor allem viel undurchsichtiger und verursachten dadurch in der Regel auch höhere Kosten.

Zudem hatten Zertifikate den Nachteil, dass sie von der Bonität des Emittenten abhingen. Im Prinzip kaufte man also eine Anleihe. Wenn der Emittent des Zertifikats in Konkurs ging, dann war das Geld damit futsch.

(Und auch Banken können in Konkurs gehen. So geschehen bei Lehman Brothers im Jahr 2008)

Sehen wir uns nun die Argumente der Gegner von ETFs an:

(-) Mit ETFs schlägst du den Index garantiert nicht

Wir haben oben erwähnt, dass der Durchschnitt der aktiv gemanagten Fonds schlechter sein muss als der Markt.

Da ETFs ebenfalls Kosten verursachen (wenn auch deutlich geringere) und dabei genau den Index nachbilden, sind sie also garantiert schlechter als der Markt. Den Index zu schlagen ist damit mit ETFs nicht möglich.

(Doch Achtung: Diese Feststellung gilt nur dann, wenn man sich den einzelnen ETF für sich genommen ansieht. Setzt man aber zum Beispiel eine 50:50 Strategie um, indem man zu gleichen Teilen in zwei unterschiedliche Indizes investiert, ist durch periodisches Rebalancing sehr wohl eine Überrendite möglich.)

Manche – wenn auch wenige – gut gemanagte Investmentfonds haben aber gezeigt, dass sie den Index auch längerfristig schlagen können. Die Schwierigkeit besteht eben nur darin, genau diese Fonds zu finden.

(-) Mit ETFs bist du in manchen Regionen und Branchen stark übergewichtet

Wenn man sich im Jahr 2018 den MSCI World Aktienindex ansieht, dann hat die USA dort einen Anteil von etwa 60 Prozent. Das heißt alle anderen entwickelten Märkte der Welt zusammengenommen (und dazu zählen unter anderem Japan, Großbritannien, Deutschland und Frankreich – aber eben ausgenommen der Emerging Markets wie zum Beispiel China) haben einen geringeren Anteil am Weltaktienindex als die USA alleine.

Kauft man sich also den MSCI World via ETF, dann ist man extrem in den USA übergewichtet (und damit auch im Dollar, sofern man keine währungsgesicherte Variante des ETF kauft).

Der Grund ist natürlich zum einen, dass in den USA eine viel bessere Aktienkultur herrscht. Ein zweiter Grund ist aber, dass die amerikanischen Aktien in den letzten Jahren viel besser gegangen sind als zum Beispiel Aktien in Europa. Doch was stark steigt kann auch wieder stark fallen. Die Vergangenheit hat gelehrt, dass Abweichungen in eine Richtung dazu tendieren, wieder zum Durchschnitt zurückzukehren (man sagt in diesem Zusammenhang Reversion to the Mean).

Die Chancen stehen also in den nächsten Jahren gut, dass europäische Aktien besser abschneiden als amerikanische. Somit könnte eine Investition in den MSCI World via ETF auch risikoreicher sein als eine Investition in einen aktiv gemanagten Aktienfonds.

(-) ETF ist nicht gleich ETF

Die Nachbildung der zugrundeliegenden Indizes unterscheidet sich mitunter stark. Es gibt im Grunde drei Möglichkeiten der Indexnachbildung (in der Fachsprache auch Replikation genannt):

Man kann den Index physisch nachbilden und alle zugrunde liegenden Aktien auch im richtigen Verhältnis kaufen.

Oder man bildet den Index zwar physisch nach, setzt aber auf optimiertes Sampling. Will heißen: Man kauft vor allem die Indexschwergewichte und jene Titel, die den Gesamtmarkt am besten repräsentieren. Manche Aktien, die weniger bedeutend sind, kauft man hingegen gar nicht.

Oder man bildet den Index synthetisch nach durch den Einsatz von Derivaten (genauer gesagt von Swaps).

Letztere Möglichkeit ist etwas in die Kritik geraten, da man dafür eine Gegenseite braucht, die im Falle des Falles auch wirklich zahlen muss.

Der Trend geht aber mittlerweile eher zur physischen Nachbildung und man muss auch dazusagen, dass sich selbst beim synthetischen Sampling die Risiken in Grenzen halten.

(-) ETFs verstärken Abwärtstrends

Manche Gegner der ETFs führen auch dieses Argument ins Feld. Und die Begründung dafür klingt ja auch recht logisch:

ETFs kaufen vor allem die Indexschwergewichte und folgen so auch Trends. Denn wenn eine Aktie besonders stark im Index gewichtet ist, dann deutet dies darauf hin, dass sie in der Vergangenheit eine gute Performance geliefert hat.

Kommt es dann zu einer Korrektur an den Aktienmärkten, dann werden wahrscheinlich auch viele private Investoren die Nerven verlieren und verkaufen. Bei einem traditionellen Investmentfonds wird der Manager diese Rückgaben zum Teil aus dem Bargeldbestand begleichen oder jene Aktien verkaufen, von denen er sich in nächster Zeit die geringste Rendite erwartet.

Der ETF allerdings hat keine Wahl: Er muss vor allem die Indexschwergewichte verkaufen. Dadurch könnte sich gerade bei den großen Titeln ein Abwärtstrend verstärken. Und da gerade diese großen Aktien auch als eine Art Stimmungsbarometer dienen, könnte sich der Abwärtstrend immer weiter verstärken, weil dann andere Investoren mit der Zeit auch nervös werden und aussteigen.

Arten von ETFs


ETFs gibt es inzwischen für alle möglichen Assetklassen. Mittlerweile kann man dadurch nicht nur in Aktien und Anleihen investieren. Ebenfalls möglich sind auch Investments am Geldmarkt und in Rohstoffe. Zum Beispiel kann man mittels ETFs auch ganz leicht in physisches Gold investieren.

Zudem gibt es in den letzten Jahren die Tendenz, dass man nicht nur indexbasiert investiert, sondern auch unterschiedliche Strategien damit abbildet. Man spricht in diesem Fall von Factor-Investing bzw. von Smart Beta Strategien. Des weiteren existieren mittlerweile auch ETFs auf bestimmte Hedgefondsstrategien.

Factor-Investing beschreibt das Vorgehen, bestimmte Faktoren aufzuspüren, die langfristig den Index schlagen (natürlich wurden diese Faktoren aus Vergangenheitsdaten abgeleitet und liefern keine Garantie für die Zukunft). Ein solcher Faktor ist zum Beispiel die Tatsache, dass kleinere Unternehmen (so genannte Small Caps) langfristig den breiten Markt outperformt haben.

Smart Beta bedeutet, dass man nicht strikt nach Marktkapitalisierung gewichtet, sondern zum Beispiel dadurch Risiko reduziert, dass man die Aktien gleichgewichtet. Oder man wählt vor allem jene Aktien, die historisch eine geringere Schwankungsbreite (= Volatilität) aufweisen.

 

Synonyme für ETF: Exchange Traded Fonds, Indexfonds

 

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