Die 7 schlimmsten Fehler bei der Geldanlage – Begehst du sie auch?

Der durchschnittliche Investor begeht im Großen und Ganzen immer dieselben Fehler bei der Geldanlage. Egal ob das heute der Fall ist, oder ob das vor 10 oder 50 Jahren der Fall war.

… … …

Welche Fehler das genau sind, möchte ich dir in diesem Beitrag verraten. Und ich verrate dir auch, wie du diese Fehler in Zukunft vermeiden kannst.

Denn wenn so viele daneben liegen und somit weniger als der Marktdurchschnitt verdienen (sprich: weniger als der Index), dann muss es ja auch Leute geben, die über diesem Marktdurchschnitt liegen …

Fehler #1:
Du schaust nur auf die vergangene Rendite


Das ist der größte Fehler von allen, den du in punkto Geldanlage begehen kannst. Wenn du in Zukunft nur diesen einen Fehler vermeidest, dann hast du damit schon viel gewonnen.

Das Problem an der Sache ist, dass diesen Fehler nicht nur der ahnungslose Kleinanleger begeht, der sich zum ersten Mal an die Börse traut und dort einen Investmentfonds kaufen möchte. Denn ich traue mich mal zu behaupten: Auch viele Berater begehen diesen Fehler und ziehen für die Anlageentscheidung einzig und allein die vergangene Rendite des Produktes heran.

Also selbst eine Beratung in deiner Hausbank bringt da nicht notwendigerweise einen Mehrwert mit sich.

Aber sehen wir uns mal an, warum es nicht gut ist, sich nur auf die vergangene Rendite des Finanzprodukts zu verlassen:

Grund Nr. 1: Man beginnt auf der falschen Seite des Investmentprozesses

Wenn man einzig und allein auf die Vergangenheitsrenditen schaut, dann beginnt man mit der Einzeltitelauswahl. Doch eigentlich sollte diese die Anlageentscheidung abschließen und nicht einleiten.

Es gibt nämlich eine Vielzahl von Studien zu diesem Thema. Und alle kommen zu dem Schluss, dass ein großer Teil des Anlageerfolgs die so genannte Asset Allokation ausmacht (also die grobe Aufteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Cash und alternative Investments).

Erst wenn man diese Asset Allokation getroffen hat, macht es Sinn, sich mit der Einzeltitelauswahl zu beschäftigen.

Grund Nr. 2: Zuerst musst du dir über dein eigenes Risikoprofil im Klaren sein

Produkte, die in der Vergangenheit eine unglaubliche Rendite abgeworfen haben, sind in der Regel auch sehr risikobehaftet. Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr groß, dass das mit dem Produkt verbundene Risiko viel zu hoch ist für dich.

Dabei setzt sich dein Risikoprofil aus zwei Komponenten zusammen:

  1. Deine Risikotragfähigkeit: Du musst es dir finanziell leisten können, Verluste zu machen.
  2. Deine persönliche Risikofähigkeit: Du musst es auch emotional verkraften können, wenn das Produkt ins Minus geht.

Grund Nr. 3: Finanzprodukte steigen nicht in den Himmel

Meistens ist es ja so, dass Produkte erst dann richtig populär werden, wenn sie schon lange Zeit mächtig gestiegen sind. Dann steigen auf einmal alle ein und treiben den Kurs noch einmal künstlich in die Höhe.

Dadurch kommt es zu einer massiven Überbewertung. Das Problem dabei: Die Geschichte lehrt, dass Überbewertungen mit der Zeit wieder ausgeglichen werden – man sagt dazu auch Reversion to the Mean (also die Rückkehr zum Durchschnitt). Nicht selten rentieren vergangene Renditekaiser deshalb jahrelang unterdurchschnittlich.

Fehler #2:
Du investierst dein ganzes Geld am Kapitalmarkt


Die Aktienbörsen erholen sich langsam wieder, die Konjunktur zieht an und du bekommst gerade einen größeren Betrag von einer abgelaufenen Kapitallebensversicherung ausgezahlt. Dein Berater ist sehr überzeugend und rät dir breit gestreut in Aktien-, Anleihen- bzw. Mischfonds einzusteigen.

Du bist hoch motiviert und möchtest nicht einen Cent mehr auf dem Sparbuch oder dem Girokonto bei den gegenwärtigen mickrigen Zinsen herumliegen lassen – du investierst also kurzerhand all dein Geld.

Sagen wir mal du hattest einen guten Berater, der mit dir deine Anlageziele und deine persönliche Risikotragfähigkeit durchgegangen ist. Die Produkte, die er dir also vermittelt hat, sind im Prinzip für dich geeignet.

Nur hast du ihm verschwiegen, dass das all dein Geld ist was du einsetzen möchtest. Oder aber du hast entgegen seinem / ihrem Rat gehandelt und setzt alles am Kapitalmarkt ein – also ohne, dass du eine Liquiditätsreserve behältst.

Einige Monate später kommt es wie es kommen musste: Dein 12 Jahre altes Auto gibt plötzlich den Geist auf. Somit musst du einen größeren Betrag auch gleich wieder von deinem Depot abheben.

Es ergeben sich dabei folgende Probleme:

  1. Eine Geldanlage in Investmentfonds (so wie natürlich auch in Einzeltitel) ist mit bestimmten Anfangskosten verbunden – vor allem mit Ausgabeaufschlägen zwischen in der Regel 1 und 5 Prozent.
  2. Die Aktienbörsen und damit auch die Aktienfonds sind seit dem Kauf etwas nach unten gegangen. Was ja auch nicht weiter verwunderlich ist – Aktienfonds schwanken eben, auch wenn man damit langfristig eine deutliche Mehrrendite gegenüber dem Sparbuch macht. Kurzfristig muss dem eben nicht so sein.

Da du jetzt aber unbedingt ein neues Auto brauchst, bleibt dir nichts anderes übrig: Du musst entweder Kursverluste realisieren oder das Auto auf Kredit kaufen beziehungsweise leasen (was ja auch mit Kosten verbunden ist).

Fehler #3:
Du setzt alles auf eine Karte


Noch so ein Fehler bei der Geldanlage, der eng verwandt ist mit dem Fehler Nr. 1 (also nur auf die vergangene Rendite zu schauen). Prominentestes Beispiel waren hier wohl die Hedgefonds von Bernard Madoff, der in die Geschichte eingegangen ist als der größte Finanzbetrüger aller Zeiten.

Dieser war Vermögensverwalter und hat das ganze Geld seiner Kunden verloren – insgesamt 65 Milliarden Dollar. Und eigentlich hat er das Geld ja auch gar nicht investiert: Die Kunden dachten nur, dass er es in seinen Hedgefonds verwalten würde. (Übrigens gehörten zu den Kunden hauptsächlich Großbanken und andere Vermögensverwalter.)

Die Ermittler gingen davon aus, dass bereits in den 70er Jahren bestimmte Investmentstrategien nicht wie geplant aufgingen und Madoff daher die Gelder neuer Kunden dazu verwendete, seine alten Kunden zufrieden zu stellen. Bemerkt hat das deshalb keiner, weil Madoff Hedgefonds verwaltete, die nicht so gut kontrolliert werden wie heutzutage (beziehungsweise nicht so gut kontrolliert wurden wie bei uns in Europa).

Berichten zufolge sollen sehr viele Privatpersonen unter den Opfern sein, die all ihr Geld investiert haben und damit auf einmal vor dem Nichts standen. Investiert haben sie seinerzeit deshalb, weil der Chart so gut ausgesehen hatte – er kannte nämlich nur eine Richtung, nämlich stetig und fast ohne Unterbrechung nach oben.

Allein diese Geschichte sollte uns zwei Dinge lehren:

  1. Nicht alles auf eine Karte setzen!
  2. Nicht allein auf den Chart achten! Schau dir an, was genau du da kaufst. Wo liegen die Risiken? Gibt es eine Kontrollinstanz? Und wenn du nicht dahinterblicken kannst: Finger weg!

Fehler #4:
Du verkaufst am Tiefpunkt


Der durchschnittliche Investor ist praktisch nie in Aktien investiert nach einer größeren Korrektur. Meist macht er sogar den Fehler, dass er genau dann aussteigt, wenn der Großteil der Korrektur bereits wieder vorbei ist. Und das schlimme daran: Er steigt auch erst wieder ein, wenn die Börsen schon Jahre lang gut gelaufen sind.

Im Prinzip hängt das auch wieder mit dem Fehler Nr. 1 bei der Geldanlage zusammen: Man investiert in Produkte und Märkte, die in den letzten Jahren besonders gut gelaufen sind. Der Hintergrund ist ja auch verständlich: Man möchte nicht auf der Strecke bleiben, wenn alle anderen von steigenden Kursen profitieren.

Nur leider kommt dann oft schon kurz darauf die Korrektur. Und naja: Was stark gestiegen ist, kann auch stark fallen. Der durchschnittliche Investor verliert irgendwann die Nerven (sehr häufig am Tiefpunkt der Korrektur), steigt aus und lässt sodann jahrelang die Finger von Aktien. Nach einigen Jahren steigender Kurse geht meist irgendein anderer Markt besonders gut und das Spiel wiederholt sich von neuem.

Das Tragische dabei: Die Vergangenheit hat gelehrt, dass es langfristig noch nicht mal schlimm ist, wenn man am Höhepunkt eines Aktienzyklus einsteigt. Den Crash von 2008 haben die wichtigsten Börsen 10 Jahre später längst wieder verkraftet und neue Höchststände erreicht. Selbst wenn du also im Höhepunkt eingestiegen wärst, hättest du 10 Jahre danach wieder eine positive Rendite erwirtschaftet (Natürlich gibt es Produkte, die nicht wieder im Plus sind, weil sie derart überbewertet oder sogar zur Gänze ausgefallen sind wie die Hedge Fonds von Bernard Madoff.)

Fehler #5:
Du läufst ständig einem Trend nach


Viele Investoren, die in einen Investmentfonds investieren, schauen sich fast täglich die Kursentwicklung an. Und sie vergleichen den eigenen Fonds natürlich auch mit anderen in derselben Kategorie.

Und wenn es in dieser Kategorie wie zum Beispiel bei weltweit veranlagenden Aktienfonds weit mehr als 100 unterschiedliche Fonds gibt, dann ist es unmöglich, dass dein auserwählter Fonds ständig unter den besten ist. Manchmal ist der eine Aktienfonds vorne, mal ein anderer.

Was jetzt leider viele falsch machen: Sie verlieren das Vertrauen in den gewählten Fonds und kaufen einen anderen, der ja wie es scheint besser ist. Und dann der Schock: Im letzten Monat nach dem Kauf war er nur durchschnittlich – andere Fonds der Kategorie haben die Führung übernommen.

Das Problem bei dem Ganzen: Jeder Kauf und Verkauf verursacht Kosten. Tauscht man zu oft, dann fressen diese Kosten vielleicht die gesamte Rendite auf (und mitunter sogar noch mehr).

Meine Tipps in dieser Hinsicht:

  1. Schau nicht ständig auf dein Depot, das macht dich ansonsten wahnsinnig mit der Zeit.
  2. Wähle einen Investmentfonds (oder irgendein sonstiges Finanzprodukt) nicht nur aufgrund der vergangenen Rendite aus (siehe auch Fehler Nr. 1). Schau dir vielmehr die Anlagestrategie an: Verstehst du, was der Fondsmanager macht? Vertraust du langfristig in die Strategie? Wenn deine Antwort JA lautet, dann besteht kein Grund, ständig einem Trend nachzulaufen.

Fehler #6:
Du setzt Risiko mit Volatilität gleich


Leider macht das so gut wie jeder Anbieter von Finanzinformationen im Internet, dass sie einzig und allein die Volatilität (= durchschnittliche Schwankungsbreite) als Risikomaßzahl angeben.

Falls du mit dem Begriff noch nicht so viel anfangen kannst: Volatilität ist die durchschnittliche Schwankung um den Mittelwert. Hat ein bestimmtes Anlageprodukt eine langfristig zu erwartende Rendite von 5 % pro Jahr, dann bedeutet eine Volatilität von ebenfalls 5 %, dass im Durchschnitt mit einer Rendite von 0 bis 10 % zu rechnen ist. Durchschnitt heißt in diesem Zusammenhang laut Statistik, dass sich gut 2/3 der jährlichen Erträge in diesem Bereich abspielen. Knapp 1/6 der jährlichen Erträge liegt demnach über 10 % und ein knappes 1/6 liegt im negativen Bereich.

So weit zur Theorie …

Doch in der Praxis wirft die Risikokennzahl der Volatilität vor allem zwei Probleme auf:

  1. Der durchschnittliche Investor sieht es nur dann als Risiko an, wenn sein Depot ins Minus rutscht bzw. – im Falle risikoscheuer Anleger – wenn eine bestimmte positive Mindestrendite unterschritten wird (z.B. die Sparbuchzinsen). Die Möglichkeit, dass sogar höhere Renditen erwirtschaftet werden, betrachtet der Investor hingegen nicht als Risiko. Doch genau das macht die Volatilität als symmetrische Risikokennzahl problematisch.
  2. Die Volatilität bezieht sich nur auf den vergangenen Kursverlauf. Doch erstens kann sie in Zukunft höher ausfallen (und die Volatilität selbst schwankt auch wirklich beträchtlich im Zeitverlauf). Und zweitens werden viele weitere Risikofaktoren dadurch nicht berücksichtigt (siehe zum Beispiel der Fall Madoff weiter oben bei Fehler #3 bei der Geldanlage).

Meine Tipps in dieser Hinsicht:

  1. Schau dir vor dem Kauf auch die wesentlichen Anlegerinformationen (viele Anbieter nennen es auch Kundeninformationsdokument oder kurz KID) und den Prospekt an um eine ungefähre Ahnung von den Risiken zu bekommen. Zudem schadet es auch nicht, sich prinzipiell zum Thema Finanzmarkt und Börse schlau zu machen (was du ja auch gerade tust 😉 )
  2. Schau dir im Factsheet oder auf Finanzinformationsseiten den maximalen Verlust an (häufig Maximum Drawdown genannt). Sehr häufig wird diese Kennzahl für verschiedene Anlagezeiträume ausgewiesen. Daran erkennst du, welchen Verlust du schlimmstenfalls über einen bestimmten Zeithorizont hinnehmen musstest. Kannst du diesen Verlust verkraften oder nicht?

Fehler #7:
Du vertraust einzig und allein auf das Sparbuch


Fehler #2 der Geldanlage war ja, dass du all dein Geld in den Kapitalmarkt investierst und dann keine Liquiditätsreserve mehr hast. Doch umgekehrt wäre es ein ebenso großer Fehler zum Beispiel mit dem Sparbuch für die Pension vorzusorgen.

Denn Fakt ist: Auf dem Sparbuch verlierst du zurzeit Jahr für Jahr Geld. Auch wenn es dir nicht so vorkommt, weil der Stand ja niemals ins Minus geht und du sogar ein paar Euro Jahr für Jahr dazu bekommst. Doch die Wahrheit ist: Die Inflation ist höher als die Zinsen am Sparbuch. Das bedeutet, dass du schon in einem Jahr ärmer bist als jetzt, wenn du alles auf dem Sparbuch liegen hast.

Natürlich solltest du aber nur dann in andere Finanzprodukte investieren, wenn dein Zeithorizont hoch genug ist. Wenn du jetzt schon weißt, dass du in zwei Jahren das Geld brauchen wirst, dann bleib lieber auf dem Sparbuch. Wenn du allerdings grade Mitte Vierzig bist und für die Pension vorsorgen willst, dann solltest du endlich umdenken. Sonst schaut dein Leben in der Pension unter Umständen recht mager aus …

 

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