Was sind Hedge Fonds?

Hedge Fonds zählen zu den so genannten alternativen Investments. Unter „alternativ“ ist dabei zu verstehen, dass es sich dabei NICHT um ein normales Investment in Aktien und Anleihen bzw. Geldmarktinstrumente handelt.

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Und falls Hedge Fonds doch in Aktien und Anleihen investieren, dann dürfen sie in aller Regel sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen (z.B. durch den Einsatz von Derivaten).

Dadurch ist den Hedge Fonds gemein, dass sie nur gering mit herkömmlichen Aktien- und Anleihefonds korrelieren. Aus diesem Grund erhielten sie auch den Namen „Hedge“-Fonds. Denn Hedge bedeutet so viel wie Absicherung. Gemeint ist, dass sie durch ihre geringe Korrelation zu den Märkten allgemeine Verlustphasen abfedern helfen – zumindest in der Theorie …

Ein paar Beispiele aus der Vergangenheit …


Die Praxis sah bei vielen Hedge Fonds leider so aus, dass sie gerade in Marktphasen, wo man diese Absicherung gebraucht hätte, sogar noch mehr verloren haben als herkömmliche Aktienfonds. Schlimmstenfalls war damit sogar ein Totalverlust möglich.

Im Jahr 2008 beispielsweise hat man mit so manchem Hedge Fonds sein ganzes Geld verloren. Prominentestes Beispiel ist da sicher der Fall Bernard Madoff. Viele europäische Banken haben von Privatkunden Geld eingesammelt und es dann in seine Fonds veranlagt – und in der Folge alles verloren.

Madoff hatte seinen Kunden hohe Renditen versprochen, wenn sie ihr Geld in seine Hedge Fonds anlegen. Genauer gesagt war die Rede von etwa 10 bis 12 Prozent Rendite per annum. Und von außen hat ja auch alles super ausgesehen. Seine Fonds gingen praktisch ohne Volatilität nach oben.

Das Problem dabei: Bernard Madoff hat diese Zahlen nur erfunden. Er hat diese Gewinne in Wahrheit gar nicht erwirtschaftet.

Lange Zeit ist das nicht aufgefallen, da er ein Schneeballsystem errichtet hat. Wenn ein Investor ausgestiegen ist und sein Geld zurück wollte, dann bekam er es auch. Allerdings handelte es sich dann um Geld, das Madoff von neuen Investoren bekam.

Dass das Schneeballsystem zusammenbrach, lag wohl an der Finanzkrise von 2008, in der zu viele Investoren aus dem Kapitalmarkt aussteigen wollten – bzw. fehlten zu dieser Zeit wohl auch die Neuinvestoren, die Madoff für die Zahlungen an die Altinvestoren benötigt hätte.

Der Schaden soll sich auf über 50 Milliarden Dollar belaufen haben. Manche sprechen sogar von mindestens 65 Milliarden.

Ein weiteres immer wieder zitiertes Beispiel ist der Hedge Fonds Long Term Capital Management (LTCM).

Auch dieser Fonds wurde lange Zeit als absoluter Star gefeiert. Die Turbulenzen im Zusammenhang mit der Asienkrise brachten den Fonds allerdings in solche Schwierigkeiten, dass er sogar das weltweite Finanzsystem gefährdete. Ein Grund, warum mehrere Großbanken einsprangen und Milliarden zur Verfügung stellten um das Schlimmste zu vermeiden.

Bemerkenswert an dem Ganzen war das eingegangene Risiko: Im Jahr 1998 hatte der Fonds ein Volumen von 130 Milliarden Dollar. Doch aufgrund der Hebelwirkung der Derivate betrug das eigentliche Volumen 1,25 Billionen US-Dollar! Kein Wunder also, dass Großbanken schließlich eingesprungen sind, um eine Auswirkung auf das Finanzsystem zu verhindern.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Die Manager des Fonds waren nicht irgendwelche Idioten. Vielmehr waren zwei Nobelpreisträger daran beteiligt. Die Rede ist von Myron Scholes und Robert Merton, die den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen haben – für ihre Arbeit rund um ein Optionspreismodell.

Doch bei all diesen Negativbeispielen gibt es natürlich auch Hedge Fonds, die ihren Anlegern einen enormen Gewinn beschert haben. Prominentestes Beispiel ist da sicher George Soros mit seinem Quantum Fund.

Der Hedge Fonds war als Global Macro Fonds konzipiert und wurde bereits Anfang der 70iger gegründet. Berühmtheit erlangten Soros und sein Fonds 1992, als er massiv auf eine Abwertung des britischen Pfunds gewettet hat.

Schlussendlich sah sich die englische Notenbank wirklich gezwungen dazu, die Währung abzuwerten und sogar die Notenbank zu reformieren und aus dem europäischen Währungssystem fester Wechselkurse auszusteigen.

Bemerkenswert ist die jährliche Rendite, die Anleger mit dem Quantum Fund erzielt haben. Diese lag zwischen 1973 und 2000 bei 32(!) Prozent p.a. (Quelle: boerse.de)

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ganz sicher auch der Erfinder der Hedge Fonds, Alfred Winslow Jones.

Dieser legte bereits am 1. Januar 1949 einen Investmentfonds auf, der mittels Leerverkäufen auch auf fallende Kurse bei Aktien spekulieren konnte. Somit war der erste Long-Short-Equity Fonds gegründet.

Dabei war er über Zeiträume von fünf bzw. 10 Jahren in der Lage, die marktbreiten Aktienfonds deutlich zu schlagen. (Quelle: Finanznachrichten lesen – verstehen – nutzen)

Hedge Fonds streben nach absoluten Renditen


Traditionelle Investmentfonds – wie zum Beispiel ein global veranlagender Aktienfonds – streben nach einer relativen Rendite. Das heißt, sie haben eine Benchmark wie den MSCI World Weltaktienindex, den sie auf lange Sicht schlagen wollen (oder möglichst genau nachbilden wollen, wie das bei ETFs der Fall ist).

Wenn der globale Aktienmarkt in einem Jahr um sagen wir mal 20% nach unten geht, dann ist eine Rendite in diesem Jahr von -15% schon als Erfolg anzusehen, wenn man als Benchmark besagten MSCI World hat.

Für einen Hedge Fonds hingegen wären -15% in einem Jahr ein schlechtes Ergebnis. Denn dort strebt man NICHT danach, einen bestimmten Index nachzubilden oder zu schlagen. Vielmehr möchte man Jahr für Jahr möglichst positive Renditen (= absolute Renditen) für seine Anleger erzielen.(Zumindest strebt man das über gewisse Zeiträume wie drei oder fünf Jahre an)

Genau aus diesem Grund sind Hedge Fonds bei manchen Anlegern so beliebt. Mit ihnen kann man auch dann sein Geld vermehren, wenn der Aktienmarkt gerade ins Minus geht.

Und nicht nur das: Auch zu Anleihen haben Hedge Fonds in der Regel eine geringe Korrelation. Dadurch sollen Hedge Fonds dabei helfen, die Volatilität des Gesamtportfolios zu senken – bei gleichzeitig unveränderten Renditeerwartungen.

Natürlich ist das leichter gesagt als getan, denn zunächst einmal gibt es eine große Auswahl unterschiedlicher Hedge-Fonds-Strategien …

Unterschiedliche Hedge Fonds Strategien


Zunächst ist einmal der Unterschied zwischen Single-Hedge-Fonds und Dach-Hedge-Fonds zu klären:

Single-Hedge-Fonds werden in der Regel von einem einzelnen Fondsmanager bzw. einer Fondsmanagerin geleitet und beschränken sich meist auf eine einzelne Strategie bzw. auch auf einen bestimmten Markt.

Dadurch ist man bei Single-Hedge-Fonds sehr vom Geschick des einzelnen Fondsmanagers und auch von der eingeschlagenen Strategie des Fonds abhängig.

Dach-Hedge-Fonds sind Investmentfonds, die wiederum das eingesammelte Geld in einzelne Hedge Fonds anlegen. Demnach wird einem Fondsmanager die Aufgabe übertragen, die besten Hedge Fonds, die am Markt verfügbar sind, auszuwählen um darin zu investieren.

Der Vorteil ist, dass man dadurch automatisch auf eine breitere Risikostreuung setzt. Und man erhält dadurch auch auf Hedge Fonds Zugriff, die aufgrund der hohen Einstiegsgebühren sonst gar nicht zugänglich wären.

Die Hoffnung dabei ist weiters, dass der Fondsmanager über das nötige Wissen verfügt, um die jeweils besten Strategien und Manager auszuwählen. Der Nachteil ist allerdings die höhere Kostenbelastung, da auch das Dach-Fondsmanagement Gebühren verlangt.

Schauen wir uns als nächstes die einzelnen Single-Hedgefonds-Strategien an. Üblich ist dabei folgende Unterscheidung in vier Untergruppen, nämlich in Global Macro, Event-Driven, Arbitrage und Long/Short:

Global Macro Fonds nutzen alle Möglichkeiten, die ihnen der Kapitalmarkt bietet. Dabei gehen sie „Top-Down“ vor bei ihren Entscheidungen. Das heißt, sie schauen sich die Märkte und allgemeinen Bewertungen an, bevor sie investieren.

Dabei stehen ihnen alle Aktien- und Zinsmärkte weltweit, sowie auch Devisen- und Rohstoffmärkte zur Verfügung. Und sie können auch auf Dinge wie die Entwicklung der Volatilität und der Inflation wetten.

Sehr beliebt sind unter Global Macro Fonds so genannte Carry Trades. Das bedeutet, dass man sich Geld in einem Land mit niedrigen Zinssätzen ausborgt und es dann in einem Land mit hohen Zinssätzen anlegt.

Außerdem setzen Global Macro Fonds häufig Derivate ein, um den Hebeleffekt zu nutzen.

Event-Driven-Fonds werden im Unterschied zu Global Macro Fonds „Bottom-Up“ gemanagt. Das heißt, sie bewegen sich meist in einem regional begrenzten Gebiet und spüren dort auf Unternehmensebene Chancen auf, die sie in Folge gewinnbringend nutzen möchten.

Die zwei bekanntesten Untergruppen der Event-Driven-Fonds sind Merger Arbitrage und Distressed Securities:

Bei Merger Arbitrage spekuliert man auf Unternehmensübernahmen. Dabei zeigt sich häufig, dass der Aktienkurs jenes Unternehmens steigt, dessen Aktien von einem anderen Unternehmen übernommen werden. Der Aktienkurs des anderen Unternehmens sinkt sehr häufig.

Merger-Arbitrage-Fonds nutzen diesen Umstand, indem sie gleichzeitig Long- und Short-Positionen auf die beiden Unternehmen eingehen.

Bei Distressed Securities handelt es sich um notleidende Unternehmen. Das heißt der Hedge Fonds investiert in Unternehmen, deren Aktienkurs in der Vergangenheit weit abgerutscht ist. Oftmals kommt es nämlich zu krassen Überreaktionen, die gar nicht gerechtfertigt sind.

Ein geschickter Manager kann sich diese Marktineffizienz gewinnbringend zu nutze machen. Manchmal versucht das Fondsmanagement sich sogar aktiv einzuschalten und das Unternehmen zu sanieren.

Bei Arbitrage-Strategien versucht man, Fehlbewertungen des Marktes auszunutzen. Eine sehr bekannte Strategie ist hierbei Convertible Arbitrage.

Dabei geht es um Preisanomalien bei Wandelanleihen. Diese zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass sie weniger stark auf Preisrückgänge der Aktie als auf Preisanstiege reagieren.

Manager eines Convertible Arbitrage Fonds kombinieren vereinfacht gesagt den Kauf einer Wandelanleihe mit dem Leerverkauf der Aktie. Sehr häufig werden solche Trades durch eine Kreditfinanzierung gehebelt, um am Ende nennenswerte Renditen erzielen zu können.

Long/Short-Fonds sind am aktien- bzw. -anleiheähnlichsten. Sie kombinieren die gleichzeitige Wette von steigenden mit fallenden Kursen von Aktien und Anleihen.

Dabei gibt es viele Long Short Equity Fonds, die die meiste Zeit auf steigende Kurse setzen bzw. die meiste Zeit einen Long-Überhang haben. Nur wenn sie glauben, dass momentan ein schlechtes Marktumfeld herrscht, gehen sie short. Damit weisen diese Fonds auch eine ziemlich hohe Korrelation zu traditionellen Aktienfonds auf.

Allerdings gibt es auch so genannte Equity Market Neutral Fonds, die genauso viele Aktien kaufen als sie andere Aktien mittels Derivate oder Leerverkäufe verkaufen.

Der Sinn dahinter ist der, dass gewisse Branchen, Unternehmen oder auch Regionen besser rentieren als andere (zumindest über einen gewissen Zeitabschnitt hinweg). Genau das möchte man mit Equity Market Neutral Fonds ausnutzen.

Was man häufig ebenso zu den Hedge Fonds zählt, sind Managed Future Fonds. Manche betrachten diese aber als eigene Kategorie neben den Hedge Fonds.

Bei den Managed Futures handelt es sich um Fonds, die wie der Name schon sagt, in börsengehandelte Futures investieren. (Oftmals sagt man zu ihnen auch CTA, was eine Abkürzung ist für Commodity Trading Advisors.)

Managed Futures versuchen über Trendfolgesysteme in steigende und fallende Märkte zu investieren. Dabei haben sie meist eine sehr hohe Volatilität und ihre Rendite erzielen sie meist in nur wenigen Jahren, in vielen anderen Jahren machen sie mitunter herbe Verluste.

Häufige Kritik an Hedge Fonds


Hedge Fonds – insbesondere Single-Hedge-Fonds – sind sicherlich nicht für jeden Anleger geeignet. Im Fokus stehen dabei folgende vier Kritikpunkte:

Mangelnde Überwachung / geringe Regulierung:

Viele Skandale waren nur deshalb möglich, weil Hedge Fonds sehr unabhängig in ihren Entscheidungen sind und von außen nur sehr schwach kontrolliert werden.

Allerdings ist zu sagen, dass dies für manche Hedge Fonds Strategien mehr gilt als für andere. Global Macro Strategien sind völlig frei in ihren Entscheidungen. Und auch Arbitrage-Fonds bauen häufig große Kreditpositionen auf, die vor allem in Krisenzeiten ein hohes Risiko bedeuten.

Long/Short-Fonds allerdings sind was das betrifft, sicherlich weniger riskant. (Allerdings weisen sie meist eine höhere Korrelation zu den Aktienmärkten auf.)

Geringe Transparenz

Auch die geringe Transparenz ist ein großer Kritikpunkt bei Hedge Fonds. Und bei vielen Strategien ist diese Verschwiegenheit sogar wichtig, da man sich ansonsten die Performance ruinieren würde, wenn jeder von den eigenen Entscheidungen sofort Wind bekäme.

In Kombination mit der mangelnden Überwachung bedeutet das aber auch große Risiken. Betrugsfälle wie jener von Bernard Madoff werden dadurch leider erst möglich gemacht.

Und ein weiteres Problem ist auch die Auswahl geeigneter Fonds. Wenn man nicht genau weiß, was die Fonds machen, wie soll man sie dann auswählen können?

Hohe Kosten

Bei Hedge Fonds kommen neben den normalen Verwaltungsgebühren in den meisten Fällen noch hohe Performancegebühren dazu. In vielen Fällen betragen diese 20% der positiven Entwicklung bzw. bei Überschreiten eines Geldmarktzinssatzes wie des 3-Monats-Euribor bzw. des Eonia.

Zudem weisen Hedge Fonds in der Regel auch höhere Transaktionskosten auf, da es zu häufigeren Umschichtungen kommt als bei Aktien- oder Rentenfonds.

Leider sind beide Kostenpositionen – also sowohl Performancegebühren und Transaktionskosten – nicht Bestandteil der Total Expense Ratio (TER).

Die höchsten Kosten haben übrigens zumeist die Managed Future Fonds. Manche von ihnen verlangen eine Verwaltungsgebühr von fünf oder sechs Prozent per annum! Wenn man sich die Renditezahlen ansieht, ist das in fast allen Fällen keineswegs gerechtfertigt.

Zu viele schlechte Manager

Zu Hedge Fonds sagt man oft Königsklasse des Investments. Doch manche Manager gehören alles andere als zur Königsklasse.

Viele schaffen es nicht (womöglich auch auf Grund zu hoher Kosten?) über einen längeren Zeitraum nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Daher ist es bei Hedge Fonds besonders wichtig, die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen – was aufgrund der oftmals geringen Transparenz leider gar nicht so einfach ist.

 

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