Was ist ein Index?

Von einem Index bzw. von Indizes hört man immer wieder in der Finanzwelt. Doch was ist damit genau gemeint und wofür sind sie gut? Und vor allem auch: Was sind wichtige Indizes und wie werden sie berechnet?

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Was ist ein Index? Wofür ist er gut?


Ein Index fasst unterschiedliche Einzeltitel zusammen und gibt sodann deren Entwicklung als Ganzes wider.

Am bekanntesten sind wohl Aktienindizes wie der DAX (= Deutscher Aktienindex) oder der ATX (= Austrian Traded Index). Diese zeigen die durchschnittliche Kursentwicklung der darin enthaltenen Aktien.

Beim DAX sind das die 30 bedeutendsten Aktien aus Deutschland. Beim ATX sind das die 20 bedeutendsten Aktien aus Österreich.

Der Sinn dahinter ist der, dass man durch die Betrachtung von Indizes ein besseres Bild von der Entwicklung eines bestimmten Marktes erhält als durch die Betrachtung einzelner Unternehmen.

Beispielsweise sagt es mehr über die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes aus, wenn der DAX steigt oder fällt, als wenn ich als Maßstab hierzu die Aktie der Siemens AG betrachte.

Deshalb liest man in der Zeitung ja auch, dass der DAX um so und so viele Punkte bzw. Prozent gestiegen ist und nicht die Siemens AG als Einzelaktie.

Stichwort Punkte: Der Indexstand wird stets in Punkten angegeben. Kauft man beispielsweise Aktien bei einem Indexstand von 1.000 und der Index steigt in der Folge auf 1.100, dann kann man sich über ein Plus von 10 Prozent freuen (vorausgesetzt, man hat in genau dieselben Unternehmen in der gleichen Gewichtung investiert wie sie im Index enthalten sind).

Index ist nicht gleich Index!


Auch wenn die Berechnung von Indizes eine Menge Vorteile hat, so sind sie untereinander nur bedingt vergleichbar.

Denn die verschiedenen Indizes werden leider unterschiedlich berechnet!

Kursindex oder Performanceindex?

Bleiben wir erstmal bei den Aktienindizes: Da trifft man unter anderem die Unterscheidung zwischen Kurs- und Performanceindex.

Beim Kursindex fließen nur die reinen Kursveränderungen der Aktien ein. Ein Beispiel hierfür ist der bereits angesprochene ATX.

Beim Performanceindex allerdings werden neben den Kursveränderungen auch andere Ertragskomponenten wie die Dividendenzahlungen berücksichtigt. Ein Beispiel hierfür ist der ebenfalls bereits angesprochene DAX.

Möchte man jetzt also den DAX und den ATX über einen längeren Zeitraum hinweg vergleichen, dann hinkt dieser Vergleich natürlich gewaltig. Denn beim DAX wurden Dividenden berücksichtigt und beim ATX nicht. Über einen längeren Zeitraum hinweg sollte somit der DAX deutlich mehr ansteigen als der ATX. Einen sinnvollen Vergleich kann man also nicht anstellen.

Und leider unterscheiden sich die verschiedenen Indizes nicht nur in punkto Kurs- vs. Performanceindex. Auch die Gewichtung der Aktien mag von Index zu Index recht unterschiedlich sein …

Preisgewichtet oder Kapitalisierungsgewichtet?

Beispielsweise gibt es preisgewichtete Indizes. Vor allem einige alte Indizes wie der Dow Jones Industrial Average (USA) oder der Nikkei 225 (Japan) fallen unter diese Kategorie.

Betrachten wir kurz den Dow Jones Industrial Average etwas näher. Dies ist ein US-amerikanischer Aktienindex, den man oft einfach als Dow Jones abkürzt.

Es handelt sich dabei um den ältesten Aktienindex überhaupt und er enthält 30 große Unternehmen aus der Industrie und mittlerweile auch aus anderen Branchen wie z.B. aus den Bereichen Banken und Einzelhandel.

Für die Gewichtung der Aktien im Dow Jones ist aber nicht die Bedeutung des einzelnen Unternehmens ausschlaggebend. Was zählt, ist vielmehr der Kurs der einzelnen Aktie.

Der Stand des Dow Jones entspricht nämlich dem einfachen Mittelwert aus den Kursen der zugrunde liegenden 30 Aktien. Aus diesem Grund ist der Dow Jones für praktische Zwecke auch wenig geeignet. Die Art der Berechnung ist nämlich nicht mehr zeitgemäß.

Ganz anders verhält es sich aber mit kapitalisierungsgewichteten Indizes, die immer mehr zum Standard der Berechnung werden.

Beispiele hierfür sind die schon angesprochenen DAX und ATX. Und auch der bedeutendste Index überhaupt wird auf diese Art berechnet. Die Rede ist vom MSCI World, dem bedeutendsten Barometer für die weltweite Aktienentwicklung in den Industrieländern.

Kurz gesagt wird bei einem kapitalisierungsgewichteten Index wie dem MSCI World die Gewichtung anhand des Börsenwerts gemacht. Allerdings kann man hier auch noch unterscheiden zwischen der gesamten Kapitalisierung des Unternehmens und jenem Teil, der an der Börse kaufbar ist (= Free Float). Auch hier gibt es wiederum Unterschiede von Index zu Index.

Anzahl und Einbeziehung von Unternehmen?

Stichwort MSCI World: Dieser bekannte Index umfasst über 1.600 Unternehmen (was natürlich deutlich mehr ist als die 30 beim DAX und die 20 beim ATX).

Diese Unternehmen stammen aus 23 Ländern, wobei es sich dabei ausschließlich um entwickelte Länder handelt. Und natürlich sind auch Deutschland und Österreich darin enthalten.

Da jedoch die Gewichtung kapitalisierungsgewichtet erfolgt, hat Deutschland mit Stand Juni 2018 nur eine Gewichtung von etwa 3% und Österreich ist quasi bedeutungslos. Dominierend ist allerdings die USA mit einem Anteil von etwa 60%.

Doch du fragst dich vielleicht, welche Unternehmen genau einbezogen werden? Die Antwort ist: Das Unternehmen MSCI bezieht nur jene Unternehmen mit ein, die man zu den großen bzw. mittelgroßen Unternehmen zählt. Und laut deren Definition sind das jene Unternehmen, die zusammen 85% der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachen. Das sind halt im Moment etwas über 1.600 Unternehmen.

Synthetisch oder auf Basis echter Titel?

Bei Anleiheindizes (meist nennt man diese Rentenindizes) kann man weiters noch die Unterscheidung treffen, ob es sich dabei um einen Index handelt, der tatsächliche Anleihen als Basis hat oder nicht.

Dienen nämlich tatsächliche Einzeltitel als Basis, dann stellt sich hier nämlich das Problem, dass sich die Zusammensetzung ständig ändert. Denn Anleihen haben im Unterschied zu Aktien ein vordefiniertes Ablaufdatum. Sprich: Sie werden irgendwann getilgt und somit vom Markt genommen.

Deshalb sind hier mitunter auch Indizes populär, die synthetisch „hergestellt“ werden. Ein Beispiel ist hier der deutsche Rentenindex REX (= Kursindex) bzw. der REXP (= Performanceindex).

Hierbei dienen 30 Bundesanleihen als Vergleichsmaßstab wobei man hier alle Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren mit Zinskupons von sechs, siebeneinhalb und neun Prozent als Basis hat. (Weitere Infos zum REX kannst du hier nachlesen.)

Wichtige Indizes


Nachfolgend möchte ich dir einige sehr bedeutende Indizes vorstellen, die immer wieder in Zeitungen und Zeitschriften genannt werden …

Bekannte Aktienindizes

DAX (deutscher Aktienindex): 30 Aktienwerte mit dem größten Börsenumsatz und der höchsten Marktkapitalisierung in Deutschland

MDAX: Die nächstgrößten 50 Aktienwerte in Deutschland

TecDAX: Die nächstgrößten 30 Aktienwerte aus den Technologie-Branchen in Deutschland

ATX (Austrian Traded Index): 20 Aktienwerte mit der größten Marktkapitalisierung in Österreich

SMI (Swiss Market Index): 20 Aktienwerte mit der größten Marktkapitalisierung in der Schweiz. Es handelt sich dabei um einen Kursindex.

FTSE 100: Der FTSE 100 bildet die 100 größten und umsatzstärksten Aktien aus Großbritannien ab.

Dow Jones Industrial Average: 30 Standardtitel aus den USA. Redakteure des Wall Street Journal wählen die Aktien aus. Die Zusammensetzung ist daher rein subjektiv.

S&P 500: Dieser Index umfasst die 500 größten Unternehmen der USA. Er ist ein deutlich besserer Vergleichsmaßstab für US-amerikanische Aktien als der Dow Jones Industrial Average.

Nasdaq Composite: Die Nasdaq ist eine reine Computerbörse und es finden sich darin sehr viele Technologieunternehmen aus den USA. Der Nasdaq Composite enthält alle Unternehmen, die an der Nasdaq notieren.

Nasdaq 100: Der Nadaq 100 enthält nur die 100 größten Unternehmen, die an der Nasdaq notieren.

DJ STOXX 50: Dieser Index umfasst die 50 größten Unternehmen aus Europa.

DJ EURO STOXX 50: Dieser Index umfasst die 50 größten Unternehmen aus der Eurozone. Nicht vertreten darin sind also beispielsweise Großbritannien und die Schweiz.

Nikkei 225: Dieser Index enthält 225 bedeutende Unternehmen aus Japan. Es handelt sich um einen preisgewichteten Kursindex.

Bekannte Rentenindizes

Hier dürfte für uns wahrscheinlich Europa am bedeutsamsten sein. Und da gibt es aus Staatsanleihensicht vor allem die Rentenindizes der eb.rexx-Familie.

Dabei handelt es sich vor allem um deutsche Staatsanleihen, sowie Länderanleihen deutscher Bundesländer sowie um Jumbo-Pfandbriefe.

Außerhalb von Deutschland sind die Rentenindizes der iBoxx-Familie recht populär. Hier gibt es neben Staatsanleihen auch Indizes auf Unternehmensanleihen. Und die Indizes notieren auch für unterschiedliche Laufzeiten.

Was europäische Staatsanleihen betrifft, gibt es außerdem noch die Rentenindizes der EUROGOV-Familie. Hier gibt es zum Beispiel einen Index auf deutsche Staatsanleihen und einen auf französische Staatsanleihen.

(Hier gibt es eine Übersicht über wichtige Rentenindizes in Euro.)

Sonstige Indizes

Neben Aktien- und Rentenindizes gibt es auch zu anderen Finanzinstrumenten Indizes. Beispielsweise am Geldmarkt, wo der Euribor und der Eonia recht bekannt sind:

Eonia: Das ist der Zinssatz zu dem sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen.

Euribor: Das ist der Zinssatz zu dem sich Banken untereinander über einige Tage oder Wochen Geld leihen.

Auch bei den Rohstoffen gibt es einige Indizes. Einige bekannte sind zum Beispiel:

Bloomberg Commodity Index: Dieser Index umfasst 20 Rohstoffe und hat eine im Vergleich zu anderen Rohstoffindizes ausgewogene Gewichtung zwischen den Rohstoffen.

CRB-Index: Der CRB-Index enthält 19 Rohstoffe, wobei Erdöl das größte Gewicht hat.

Daneben gibt es noch viele weitere Indizes zum Beispiel auch im Bereich Immobilien und Hedge Fonds. Aufgrund der Unübersichtlichkeit und teilweise starken Illiquidität in diesen Segmenten ist die Aussagekraft dieser Indizes allerdings weit geringer.

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