Was hätte ich die letzten 20 Jahre am Sparbuch verdient?

Das Sparbuch ist im deutschsprachigen Raum die beliebteste Form der Geldanlage. Doch was hätten wir damit so zirka in den letzten 20 Jahren verdient?

… … …

Natürlich ist die Frage nicht so leicht zu beantworten, da die Zinsen von Bank zu Bank unterschiedlich waren. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, das Geld auf dem Sparbuch für einige Jahre zu binden und damit geringfügig höhere Zinsen zu lukrieren.

Doch es geht mir hier nicht darum, auf den Cent genau auszurechnen, was wir in den letzten 20 Jahren auf dem Sparbuch verdient hätten. Es geht mir eher darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, was man sich langfristig an Rendite erwarten kann, wenn man sein Geld auf dem Sparbuch parkt.

Ich habe für diesen Zweck für jedes einzelne Jahr von 1999 bis Ende 2018 (also für exakt 20 Jahre) den EONIA für Anfang Jänner herausgesucht.

EONIA ist eine Abkürzung und steht für „Euro OverNight Index Average“. Das ist jener Zinssatz, für den sich Banken untereinander Geld ausleihen. Wobei es sich genauer gesagt um täglich fälliges Geld handelt – daher auch der Ausdruck „Overnight“.

Meine Annahme ist dabei, dass sich der Sparbuchzinssatz ungefähr am EONIA orientiert hat, wobei ich die Negativzinsen der letzten Jahre nicht berücksichtigt habe. Vielmehr bin ich bei einem negativen EONIA-Zinssatz von einer Nullverzinsung am Sparbuch ausgegangen.

Hier also die Daten für die letzten 20 Jahre:

EONIA (Anfang Jänner)
1999 3,20%
2000 3,06%
2001 4,83%
2002 3,35%
2003 2,90%
2004 2,06%
2005 2,09%
2006 2,35%
2007 3,60%
2008 3,78%
2009 2,22%
2010 0,34%
2011 0,42%
2012 0,39%
2013 0,13%
2014 0,15%
2015 0,00%
2016 0,00%
2017 0,00%
2018 0,00%

Hätte man demnach Anfang Jänner 1999 einen Betrag von 100 Euro auf das Sparbuch eingezahlt, dann wäre dieser bis Ende 2018 auf 141 Euro angewachsen. Das Geld wäre somit um 41 Euro mehr geworden.

Doch halt: Zuvor sollten wir auch noch die Steuer abziehen: Und wenn wir einen Steuersatz von 25% annehmen – was in den meisten Ländern ziemlich genau hinkommt – dann verfügen wir noch immer über einen Endbetrag von gerundet 130 Euro.

Aber was ist das Geld nach 20 Jahren noch wert? Sprich: Was ist mit der Inflation?

Um auch den Kaufkraftverlust zu berücksichtigen, habe ich die Daten des deutschen Verbraucherpreisindex herangezogen. Genauer gesagt habe ich dabei über einen Zeitraum von 20 Jahren (1999 bis 2018) jeweils den Dezemberwert herangezogen:

Inflation
1999 1,19%
2000 2,00%
2001 1,61%
2002 1,14%
2003 1,12%
2004 2,22%
2005 1,41%
2006 1,39%
2007 3,17%
2008 1,13%
2009 0,81%
2010 1,31%
2011 1,98%
2012 2,04%
2013 1,43%
2014 0,19%
2015 0,17%
2016 1,50%
2017 1,38%
2018 1,56%

Hätten wir also Anfang des Jahres 1999 einen Betrag von hundert Euro unter das Kopfkissen gelegt – also keinerlei Zinsen dafür bekommen – dann hätte dieses Geld Ende 2018 nur mehr zirka dreiviertel des damaligen Wertes.

Hätten wir die 100 Euro allerdings auf dem Sparbuch geparkt und jedes Jahr Zinsen dafür bekommen (und natürlich 25% Steuern auf die Zinsen gezahlt), dann hätte der Verlust nur etwa drei Prozent betragen. Kaufkraftbereinigt wären aus den 100 Euro somit 97 Euro geworden.

Immerhin konnten wir mit dem Sparbuch also den Wert des Geldes so ziemlich erhalten. Eine positive Nachsteuerrendite unter Berücksichtigung der Inflation war aber nicht drinnen.

Und es zeigte sich außerdem, dass das Sparbuch umso schlechter ist, je niedriger die Zinsen sind. Denn beim aktuell historisch niedrigen Zinsniveau können wir uns keine Zinsen auf dem Sparbuch erwarten – und wenn, dann liegen sie weit unter der Inflation.

Am Sparbuch können wir uns demnach nur dann eine positive reale Rendite erwarten, wenn das Zinsniveau deutlich höher liegt als es aktuell der Fall ist.

Zum langfristigen Vermögensaufbau eignet sich das Sparbuch demnach NICHT. Als Liquiditätsreserve aber schon.

 

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