Welche Renditen haben Aktien und Anleihen bisher gemacht?

Bevor man sein erspartes Geld am Kapitalmarkt anlegt, sollte man wissen, mit welchen Renditen man über einen längeren Zeitraum rechnen kann.

Natürlich wissen wir nicht, was die Zukunft genau bringt. Aber zumindest wissen wir, welche Renditen Aktien und Anleihen in der Vergangenheit eingebracht haben …

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Dies ist der vierte Teil zur Serie „Geldanlage – So funktioniert es“. Im Ausgangsartikel haben wir uns 10 Regeln zur Geldanlage angeschaut. Dann haben wir unsere Ausganssituation genauer beleuchtet – nämlich unsere Ziele mit der Geldanlage und unsere Risikofähigkeit. Nach diesem Innenblick werfen wir wieder einen Blick nach draußen und schauen uns an, was Aktien und Anleihen im Vergleich zum Sparbuch einbringen …

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Natürlich schauen wir uns neben den Renditen auch das Risiko an – genauer gesagt die durchschnittliche Schwankungsbreite (= Volatilität) und die maximal möglichen Verluste auf Jahressicht.

Historische Rendite & Risiko von Aktien


Aktien sind vor allem kurzfristig gesehen sehr risikoreich. Gleichzeitig kann man mit ihnen langfristig am meisten verdienen.

Man muss also zwei Dinge gegeneinander abwägen, wenn man die optimale Gewichtung von Aktien herausfinden möchte:

  • Einerseits muss man sich klar darüber sein, dass eine hohe Gewichtung auch zu hohen Kursschwankungen führt.
  • Andererseits ist langfristig mit keiner Asset-Klasse mehr zu verdienen.

Doch schauen wir uns gleich mal die genauen Zahlen an:


Zu diesem Zweck habe ich die Daten des MSCI World Weltaktienindex von Beginn weg (=1970) bis Ende 2018 herangenommen. Somit haben wir eine Datenreihe von 49 Jahren.

Gerechnet habe ich hier lediglich mit den jährlichen Renditen und ich habe jenen Index herangezogen, der auch Dividendenzahlungen in voller Höhe berücksichtigt, also den MSCI World Gross Index (und Dividenden machen einen nicht unwesentlichen Teil der langfristigen Rendite von Aktien aus).

Hätte man also Anfang des Jahres 1970 insgesamt 100 Euro (bzw. dieser Betrag umgerechnet in D-Mark bzw. Schilling) investiert, dann wäre dieser Betrag bis Ende 2018 auf 3.740 Euro angewachsen.

Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7,67 Prozent (vor Kosten und Steuern natürlich).

Und was ist mit dem Risiko?


Die jährliche Schwankungsbreite / Volatilität betrug 20,79 % in Euro.

Und es gab 14 Jahre mit einer negativen Rendite.

Der maximale jährliche Verlust betrug -37,68% im Jahr 2008.

Hier die negativen Jahre des MSCI World Aktienindex inklusive Dividenden in Euro gerechnet:

1970: –  1,98%*
1973: – 27,87%
1974: – 32,59%
1977: –  6,57%
1987: – 13,52%
1990: – 26,38%
1994: –  5,96%
2000: –  6,70%
2001: – 11,97%
2002: – 31,67%
2007: –  0,93%
2008: – 37,68%
2011: –  1,75%
2018: –  3,93%

*aufgrund mangelnder Daten zur Währungsumrechnung ist das die Dollarrendite.

Und welche Renditen sind nun mit Aktien über unterschiedliche Zeiträume zu erwarten?


Aussagekräftiger als bloß einzelne Jahre zu betrachten ist es wohl, wenn man sich bestimmte Zeiträume ansieht. Was konnte man schlimmstenfalls bzw. auch bestenfalls über Zeiträume von 3, 5, 10 und 20 Jahren verdienen?

3 Jahre kumuliert -43,87% 129,60%
   pro Jahr: -17,51% 31,92%
5 Jahre kumuliert -38,28% 227,32%
   pro Jahr: -9,20% 26,76%
10 Jahre kumuliert -28,10% 478,61%
   pro Jahr: -3,25% 19,19%
20 Jahre kumuliert 123,09% 2039,26%
   pro Jahr: 4,09% 16,55%

Und hier sieht man sehr schön, dass die Bandbreite an Renditen mit zunehmendem Anlagehorizont immer enger wird. Investiert man nur drei Jahre lang in Aktien, dann hätte man in den letzten 49 Jahren eine Rendite erzielt, die irgendwo zwischen -17,51 % und +31,92 % pro Jahr gelegen wäre (und zur Erinnerung: der Durchschnitt war 7,67 % pro Jahr)

Hätte man allerdings sein Geld über 20 Jahre lang in Aktien gelassen, dann hätte man immer eine positive Rendite erzielt. Diese hätte im schlimmsten Fall 4,09 % pro Jahr ausgemacht – im besten Fall sogar 16,55 %.

Und aus Sicht von 30 Jahren nähern wir uns dem Durchschnittswert übrigens noch weiter an. Die jährliche Mindestrendite betrug nämlich 6,82%, die jährliche Maximalrendite über diesen Zeitraum 10,88%.

Auf wirklich lange Sicht wirken Aktien demnach nicht mehr so risikoreich – und mit lange Sicht meine ich Zeiträume von mehr als 10 Jahren!

Doch schauen wir uns als nächstes die Historie von den Anleihenrenditen an …

Historische Rendite & Risiko von Anleihen


Anleihen gelten als zweite große Asset-Klasse, die man in punkto Asset Allokation auf jeden Fall berücksichtigen sollte. Dies vor allem aus zwei Gründen:

  • Anleihen – und damit meine ich in erster Linie Staatsanleihen – gelten als sichere Komponente in einem Portfolio. Wenn also Aktien momentan nicht gut laufen sollten und dennoch kurzfristig Geld benötigt wird, dann kann man das Geld auch von den Anleihen abschöpfen um keine Verluste realisieren zu müssen.
  • Zudem korrelieren Anleihen nur gering mit Aktien (das heißt, dass Anleihen auch dann positive Renditen haben können, wenn Aktien stark ins Minus rutschen). Somit helfen Anleihen bis zu einem gewissen Grad Schwankungen in einem Wertpapierdepot zu glätten (Genaueres dazu sehen wir uns im nächsten Teil der Serie an).

Betrachten wir also nun Anleihen – genauer gesagt deutsche Staatsanleihen – etwas genauer. Zu diesem Zweck analysieren wir den deutschen Rentenindex REXP von 1970 bis 2018. Der REXP zeigt sehr gut die Entwicklung deutscher Staatsanleihen mit Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren (im Schnitt befindet man sich damit also im mittleren Laufzeitbereich).

Ein Nachteil des REXP ist, dass man nicht direkt in diesen Index investieren kann, da es sich um einen synthetischen Index handelt. In den oben beschriebenen MSCI World aber kann man mithilfe von Indexfonds und ETFs sehr wohl auch direkt investieren.

Trotz dieser Schwäche wird der REXP häufig genutzt, um damit die Entwicklung deutscher Staatsanleihen transparent zu machen. Insofern eignet er sich sehr wohl für unsere Zwecke.

Mit einer Einschränkung: Da wir momentan historisch tiefe Zinsen haben und die letzten 20 bis 30 Jahre wirklich sehr gute Anleihejahre waren, ist nicht damit zu rechnen, dass wir in Zukunft ähnlich hohe Renditen bei Anleihen haben werden. Deshalb sind vor allem die unten angeführten besonders guten Zeiträume eher mit Vorsicht zu betrachten.

Hier nun die nominelle Rendite und das Risiko des REXP:


Hätte man Anfang 1970 eine Summe von 100 Euro in den REXP investiert, dann wäre die Startsumme auf 1.898 Euro angewachsen. Das entspricht einer jährlichen geometrischen Durchschnittsrendite von 6,19 %.

Vergleicht man dies mit den 7,67% bei Aktien, die man trotz Dollarabwertung erzielt hat, dann sieht man bereits, dass mit Anleihen langfristig gesehen weniger zu verdienen ist. (Zudem ist in Zukunft eher von einer geringeren Rendite bei Anleihen auszugehen aufgrund des wie gesagt tiefen Zinsniveaus.)

Doch schauen wir uns jetzt das Risiko an:


  • Der maximale Verlust in den vergangenen 48 Jahren auf 1-Jahressicht betrug beim REXP lediglich 2,51 Prozent.
  • Insgesamt gab es nur 4 Jahre, die eine negative Rendite brachten. Alle anderen 45 Jahre waren positiv.
  • Im besten Fall konnte man sich sogar über ein Plus in Höhe von 18,57% freuen (1982).
  • Und die jährliche Schwankungsbreite der Renditen betrug lediglich 4,87% (im Unterschied zu über 20% bei Aktien im selben Zeitraum)

Die negativen Jahre beim REXP waren folgende:

1994: – 2,51%
1999: – 1,95%
2013: – 0,49%
2017: – 0,95%

Und welche Renditen sind mit Anleihen über unterschiedliche Zeiträume zu erwarten?


Wie gesagt: Leider sind die folgenden Ausführungen zu relativieren. Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Zinsniveaus ist in Zukunft leider mit geringeren Renditen zu rechnen. Aber in der Vergangenheit brachten deutsche Staatsanleihen diese Renditen:

Minimum Maximum
1 Jahr -2,51% 18,57%
3 Jahre kumuliert  1,88% 44,56%
   pro Jahr: 0,62% 13,07%
5 Jahre kumuliert  8,58% 68,62%
   pro Jahr: 1,66% 11,02%
10 Jahre kumuliert 36,54% 127,83%
   pro Jahr: 3,16% 8,58%
20 Jahre kumuliert 115,60% 393,15%
   pro Jahr: 3,92% 8,31%

Hier sieht man sehr schön, dass man bereits aus Sicht von drei Jahren immer ein Plus erzielt hat mit Anleihen. Allerdings sind auch die maximal möglichen Renditen weit geringer als bei Aktien.

Man geht also weniger Risiko ein auf kurze Sicht – hat dafür aber auch geringere Renditechancen.

Was einem hier aber ins Auge sticht, ist der Umstand, dass man über einen Anlagezeitraum von 20 Jahren mit Aktien sogar im schlimmsten Fall besser war als mit Anleihen. Mit Aktien hätte man nämlich eine jährliche Rendite von mindestens 4,09% erwirtschaftet, mit Anleihen hingegen nur von 3,92%.

Über sehr lange Zeiträume scheinen Aktien demnach nicht mehr so risikoreich zu sein. Voraussetzung ist halt „nur“, dass man die zwischenzeitlichen Schwankungen auch wirklich aushält – was die meisten leider nicht tun.

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Eine Anmerkung noch zum Schluss:


Natürlich ist in der Realität mit geringeren Renditen zu rechnen. Denn was wir bei all diesen Daten nicht berücksichtigt haben sind Kosten und Steuern.

Aber Letztere werden auch beim Sparbuch fällig und die Kosten können gering gehalten werden. Einerseits ist es möglich, in günstige ETFs zu investieren. Andererseits kann man auch Investmentfonds auswählen, die durch gute Managementleistungen die Gebühren wieder reinholen. Aber das ist ein Thema für einen späteren Beitrag im Rahmen dieser Serie.

Im nächsten Teil schauen wir uns übrigens an, was passiert, wenn wir Aktien und Anleihen miteinander kombinieren.

 

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