Geld anlegen – aber richtig! 10 Regeln für kluge Investoren

Geld anlegen scheint nicht so einfach zu sein – schon gar nicht, wenn man sich nicht mit mickrigen Sparbuchzinsen zufrieden gibt und sein Geld stattdessen am Kapitalmarkt anlegen möchte. Denn die meisten Investoren machen dabei immer wieder dieselben Fehler bei der Geldanlage.

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Doch zum Glück gibt es eine einfache Lösung: Im Prinzip braucht man sich nämlich nur an einige wenige Regeln halten, um sein Geld gut und ertragreich anlegen zu können. Welche Regeln das genau sind, möchte ich dir in diesem Beitrag verraten.

Anmerkung: Dies ist der erste Beitrag einer mehrteiligen Artikelserie zum Thema richtige Geldanlage. In diesem Beitrag wird der Grundstein gelegt – in den weiteren Beiträgen wird dann das hier vermittelte Wissen weiter vertieft.

Richtige Geldanlage:
Die Analyse im Vorfeld


Wenn du aus diesem Beitrag eines mitnehmen solltest, dann ist es vor allem jenes, nicht zuerst mit der Auswahl der Produkte zu starten. Zuallererst sollte man seine aktuelle Situation prüfen und sich auch über die eigenen Ziele und aktuellen sowie künftigen Lebensumstände im klaren sein. Nur dann kannst du dein Geld richtig anlegen …

Regel Nr. 1: Kenne deine Ziele

Was willst du mit deiner Geldanlage genau erreichen? Möchtest du dein Geld für ein paar Jahre sicher zwischenparken und bist nur momentan nicht mit den praktisch fehlenden Sparbuchzinsen zufrieden? Oder trachtest du danach, dein Geld langfristig ertragreicher anzulegen?

Dient die Veranlagung dem Vermögensaufbau bzw. der Vorsorge für die Pension? Oder möchtest du Eigenmittel für die Wohnraumfinanzierung zur Seite legen? Vielleicht bist du auch schon in Pension bzw. knapp davor und möchtest durch die Veranlagung deine Pension etwas aufbessern?

Was dein Ziel auch ist: Es hat enormen Einfluss auf die genaue Aufteilung deiner Veranlagung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Asset Allocation – also der genauen Aufteilung des Anlagebetrages auf verschiedene Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente.

Jemand der sein Geld nur zwischenparken möchte und es vielleicht bald wieder braucht, sollte eher auf dem Geldmarkt investieren und keine Aktien kaufen. Für jemanden, der für die Pension vorsorgt, die frühestens in 20 Jahren ansteht, wäre diese Art der Geldanlage jedoch wenig ratsam.

Regel Nr. 2: Kenne deinen Anlagehorizont

Eigentlich hängt der Anlagehorizont unmittelbar mit den Zielen zusammen. Wenn ich mein Geld nur zwischenparken möchte, dann bedeutet dies, dass mein Anlagehorizont entsprechend niedrig ist – ich also das Geld womöglich schon bald wieder brauchen werde.

Sorge ich hingegen als 40-Jähriger für die Pension vor, dann habe ich einen entsprechend langen Anlagehorizont.

Grob gesagt trifft folgendes zu (auch wenn man in Kombination dazu natürlich seine Risikofähigkeit berücksichtigen muss – dazu aber gleich später):

Wenn du dein Geld wahrscheinlich innerhalb der nächsten 5 Jahre wieder benötigst, dann eignen sich dafür das Sparbuch, sonstige Geldmarktveranlagungen und Anleihen mit entsprechend kurz- bis mittelfristiger Restlaufzeit. Bei Investmentfonds muss man für einen solch kurzen Anlagehorizont schon genau hinsehen, damit die anfänglichen Kosten den Ertrag nicht auffressen.

Generell gilt daher: Kurzfristig hat man nur wenige Möglichkeiten sein Geld ertragreich (und gleichzeitig sicher) anzulegen. Wählt man dennoch Instrumente wie Aktien und dynamischere Fonds, dann handelt es sich nämlich um eine nicht fristenkongruente Veranlagung – und das fällt dann unter Spekulation und hat mit Geldanlage eigentlich wenig zu tun.

Willst du dein Geld aber für einen Zeitraum von fünf bis 10 Jahren anlegen, dann sprechen wir schon von einem mittelfristigen Anlagehorizont. Jetzt hast du schon deutlich mehr Möglichkeiten, um dein Geld gewinnbringend anzulegen.

Jetzt machen auf einmal auch Anleihen sowie Anleihefonds Sinn. Und auch die Beimischung von Aktien sollte überlegt werden. Alles in Aktien zu investieren ist aber vielleicht nicht so klug, denn dazu sollte man eher schon einen langen Anlagehorizont von über 10 bzw. sogar 15 Jahren haben (und natürlich eine entsprechende Risikofähigkeit). Mitunter eignen sich für dich entsprechende Mischfonds bzw. vermögensverwaltende Fonds.

Erst wenn du einen langen Anlagehorizont von über 15 Jahren hast, eröffnen sich dir alle Möglichkeiten der Geld- und Kapitalanlage. Sofern deine Risikofähigkeit entsprechend hoch ausgeprägt ist, kann es da auch Sinn machen, zu einem großen Teil in Aktien bzw. entsprechende Investmentfonds oder ETFs zu investieren.

Regel Nr. 3: Kenne deine finanzielle Risikofähigkeit

Wie steht es um deine finanziellen Verhältnisse? Ich halte das für eine sehr wichtige Frage. Denn auch wenn man eingangs glaubt, dass man den Anlagebetrag die nächsten 10 Jahre nicht anrühren braucht, so kann es dennoch vorkommen, dass man in einen finanziellen Engpass gerät und deshalb einen Teil des Anlagebetrags abheben muss.

Besonders bitter kann dieser Umstand dann sein, wenn man hauptsächlich in Aktien investiert hat und es an den Börsen grade zu einer Korrektur gekommen ist. Denn dann muss man die Verluste wohl oder übel realisieren und kann sie somit nicht wieder aufholen.

Zur Bestimmung der finanziellen Risikofähigkeit gehören Fragen zum monatlichen Nettoeinkommen, sowie auch zum frei verfügbaren Einkommen und zum sonstigen Besitz. Und natürlich auch, wie sicher dieses Einkommen ist und wie sich die finanziellen Verhältnisse in Zukunft ändern könnten.

Unbedingt einplanen sollte man in dieser Hinsicht auch eine entsprechende Liquiditätsreserve um finanzielle Engpässe von vornherein vermeiden zu können.

Regel Nr. 4: Kenne deine persönliche Risikofähigkeit

Neben der finanziellen Risikofähigkeit spielt noch die persönliche Risikofähigkeit eine große Rolle. Wenn du von deiner Einstellung her ein konservativer Investor bist, der nur geringe Kursschwankungen verkraftet, dann macht es keinen Sinn, einen Großteil des Geldes zum Beispiel in Aktienfonds anzulegen.

Umgekehrt wird sich ein dynamischer Investor nicht unbedingt mit der Veranlagung in kurzlaufende Anleihen zufrieden geben, sofern sein Anlagehorizont entsprechend hoch ist.

Bevor du also konkrete Entscheidungen darüber triffst, in welche Produkte du dein Geld anlegen willst, solltest du dir über den maximalen Verlust klar werden, den du zu verkraften bereit bist. Wie groß darf das Minus in einem bestimmten Zeitraum (sagen wir mal auf Einjahressicht) sein, um trotzdem an deiner Anlageentscheidung festzuhalten und nicht die Nerven zu verlieren?

Daraus ergibt sich dann vor allem die optimale Aktienquote. Hältst du nur geringe Schwankungen aus, dann wird diese entsprechend gering sein. Verträgst du höhere Schwankungen, dann kann auch die Aktienquote nach oben gefahren werden.

Somit hängt die Aktienquote vor allem von dir und deiner Risikofähigkeit ab – und eben nicht von der Einschätzung deines Beraters, dass Aktien momentan so gut gehen und deshalb alles dort investiert werden sollte!

Regel Nr. 5: Kenne deine eigenen Fähigkeiten

Da du diesen Beitrag hier liest, gehe ich mal davon aus, dass du vor allem selbst über die Anlage deines Geldes entscheiden willst. Und das ist auch gut so.

Wenn du dir aber nicht ganz sicher bist, ob du ganz alleine im Stande bist, die richtigen Entscheidungen zu treffen, dann kann dir ein kompetenter Berater sicher weiterhelfen.

Nur leider gibt es da ein Problem: Nach einem wirklich kompetenten Berater muss man erstmal suchen. Die meisten Berater beraten nämlich nicht – sie verkaufen.

Doch es gibt ein paar Anhaltspunkte, ob du an einen guten Berater geraten bist oder nicht:

  • Zum einen kann seine/ihre Ausbildung und bisheriger Werdegang etwas darüber aussagen.
  • Zum anderen verrät auch die Art des Beratungsgespräches viel darüber, ob er/sie kompetent ist und im Sinne des Kunden handelt oder nicht. Zum Beispiel sollte dein Berater zuerst mal deine persönliche Situation mit dir analysieren und nicht zuerst mit den Produkten daherkommen (also so, wie dieser Beitrag hier aufgebaut ist und nicht umgekehrt).

Regel Nr. 6: Kenne deine Gesamtsituation

Im Grunde reichen die ersten Punkte bereits aus, um eine fundierte Anlageentscheidung für den zu investierenden Betrag treffen zu können.

Dennoch ergibt sich daraus das Problem, dass es eine statische Entscheidung ist. Was man nämlich ebenso einplanen könnte, sind sich womöglich ändernde Lebensumstände sowie sich ebenfalls ändernde Wünsche und Bedürfnisse.

Ebenfalls integriert werden sollten die bereits getätigten Veranlagungen. Besteht bereits ein Wertpapierdepot? Entspricht dieses den eigenen Zielen und der Risikofähigkeit? Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht die aktuelle Veranlagung für sich genommen den eigenen Bedürfnissen entspricht, sondern die Gesamtveranlagung.

Und hierzu zählt nicht nur die Geldanlage in Wertpapiere. Auch etwaiger Immobilienbesitz kann hier mit einkalkuliert werden. Macht es da wirklich Sinn, in einen Immobilienfonds zu investieren, wenn man schon 80 Prozent seines Geldes in Immobilien stecken hat?

Richtige Geldanlage:
Die Durchführung


Erst wenn du deine Situation und deine Ziele genau geklärt hast, macht es Sinn, sich mit der Geldanlage im Detail auseinanderzusetzen. Erst jetzt sollte also die Entscheidung getroffen werden, in was genau investiert wird …

Regel Nr. 7: Erst jetzt erfolgt die Auswahl der Produkte

Erst wenn du deine Ziele, Erfahrungen, den Anlagehorizont und deine Risikofähigkeit analysiert hast, macht es Sinn, sich mit Produkten zu beschäftigen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Geeignetheit.

Eignen sich für dich wirklich Aktienfonds oder wärst du nicht mit einem konservativen Mischfonds besser bedient? Eine Frage, die sich erst dann beantworten lässt, nachdem deine spezifische Situation ganz genau analysiert wurde.

Eine Geldanlage ausschließlich in Aktienfonds eignet sich für dich zum Beispiel nur dann, wenn du damit langfristig Vermögen aufbauen bzw. für die Pension vorsorgen willst. Es eignet sich auch nur dann, wenn du die Kursschwankungen aushältst, eine entsprechende Liquiditätsreserve hast und kein absoluter Neuling in Sachen Finanzmarkt und Börse bist.

Ist auch nur eine dieser Bedingungen nicht gegeben, dann eignet sich die ausschließliche Geldanlage via Aktienfonds nicht für dich. Denn dann fällt das ganze nicht unter Geldanlage sondern unter Spekulation – mit allen Risiken, die damit verbunden sind.

Ebenfalls zu entscheiden ist, ob die Anlage direkt in Investmentfonds, ETFs oder womöglich auch in Einzelaktien erfolgen soll. Oder wäre aufgrund des langfristigen Anlagehorizonts und der Steuerersparnis nicht doch eine fondsgebundene Lebensversicherung besser? Eine Frage, die allerdings nur im Einzelfall geklärt werden kann. Ein Berater kann dir hier weiterhelfen.

Regel Nr. 8: Streuung ist wichtig

Die grobe Aufteilung in Aktien, Anleihen und sonstige Finanzinstrumente wurde nun bereits entschieden. Hast du zum Beispiel eine gute persönliche Risikofähigkeit, dann investierst du vielleicht je zur Hälfte in Aktien und Anleihen und mischt darüber hinaus womöglich noch alternative Investments bei.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Auch wenn es ok ist, in eine einzelne deutsche Staatsanleihe zu investieren und damit den Anleiheteil abzudecken, so ist es nicht ratsam, in eine einzelne Aktie zu investieren. Zumindest 10 oder besser 20 Einzelaktien sollten es da schon sein um die titelspezifischen Risiken einzugrenzen.

Wenn du nicht das nötige Kleingeld dafür hast oder dir nicht die Arbeit machen willst, dann kannst du dein Geld auch in Investmentfonds bzw. in ETFs anlegen. Die machen das ganz automatisch für dich.

Regel Nr. 9: Du musst dich wohlfühlen mit deiner Entscheidung

Du hast dich und deine finanzielle Situation genau analysiert und bestimmte Investments ins Auge gefasst. Auch für die nötige Streuung hast du gesorgt. Jetzt musst du noch darauf achten, dass du dich auch wohl fühlst mit deiner Entscheidung.

Doch wie fühlt man sich wohl damit?

Ganz einfach: Du musst die Produkte, in die du investierst, genau kennen. Dazu zählt, dass du nicht nur den Chart des sagen wir mal Investmentfonds kennst, in den du dein Geld investierst. Du solltest auch ganz genau über die Investmentphilosophie bescheid wissen. Was macht der Fondsmanager genau? Gefällt dir was er/sie macht?

Nur wenn du die Produkte genau kennst und von ihnen überzeugt bist, wirst du es verkraften, wenn es eine Zeitlang nicht so gut läuft. Sagen wir mal, du hast einen weniger guten Einstiegszeitraum gewählt und hast genau dann dein Geld in einen anleihelastigen Mischfonds angelegt, als die Zinsen gerade begonnen haben zu steigen (was in der Regel fallende Anleihekurse nach sich zieht). Wenn dir das gar nicht bewusst ist, dass das Fondsmanagement nichts dafür kann – sondern eben eine allgemeine Marktentwicklung ist, dann wirst du schnell enttäuscht sein und womöglich im falschen Moment wieder aussteigen.

Regel Nr. 10: Anpassungen vornehmen, aber cool bleiben

Du hast dein Geld nun angelegt, hast dir viele Gedanken drüber gemacht und du hast auch ein gutes Gefühl was die gewählten Produkte betrifft.

Das einzige was du jetzt noch zu tun hast ist, von Zeit zu Zeit einen Blick darauf zu werfen und womöglich kleinere Anpassungen vorzunehmen. Diese Anpassungen sollten aber nicht die Strategie an sich betreffen. An dieser sollte nach Möglichkeit festgehalten werden, solange sich an den Grundvoraussetzungen nichts geändert hat.

Allerdings kann es womöglich zu Strategieänderungen bei manchen Fonds gekommen sein. Oder aber das Fondsmanagement wurde ausgetauscht und du bist nun nicht mehr so überzeugt wie zuvor.

Und ganz wichtig: Von Zeit zu Zeit sollte kontrolliert werden, ob das Risikoprofil deines Depots noch zu deiner persönlichen Risikofähigkeit passt. Ist zum Beispiel der Aktienanteil von 50 auf 70 Prozent gestiegen weil die Aktienmärkte in der letzten Zeit steil nach oben gegangen sind, dann wird es wahrscheinlich Zeit für eine Anpassung.

In der Fachsprache spricht man auch von Rebalancing, wenn man von Zeit zu Zeit die ursprünglichen Gewichte wieder herstellt. In unserem Fall würden wir dann Aktien verkaufen und im Gegenzug Anleihen kaufen um die ursprüngliche Aufteilung von 50:50 wiederherzustellen.

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Dies war der erste Teil zum Thema „Richtige Geldanlage“. Im nächsten Teil sprechen wir genauer über deine Ziele bei der Geldanlage.

Und hier kommst du zu Teil 3 der Serie: Risikofähigkeit – Wie beeinflusst es meine Geldanlage?

 

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