Warum du nicht ständig deinen Depotstand kontrollieren solltest

Irgendwie ist das ganze ja verständlich: Wenn man sein Geld am Kapitalmarkt veranlagt, dann möchte man seine Veranlagung regelmäßig beobachten und dabei auch kontrollieren, wie sich das Ganze im Zeitablauf entwickelt. Trotzdem solltest du es nicht tun …

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Denn solange der Depotstand steigt, ist alles in Ordnung. Doch wehe, wenn sich der Depotstand über einen längeren Zeitraum hinweg negativ entwickelt. Dann verspüren wir den Drang, zu retten was zu retten ist und all jene Positionen zu verkaufen, die derzeit im Minus sind.

Doch überleg mal: Wenn du beim Kauf der Finanzwerte davon überzeugt warst, dass diese langfristig eine schöne Rendite abwerfen, dann wäre es ein Schwachsinn, die Positionen nun mit einem Verlust zu verkaufen (zumindest wenn sich an den Grundvoraussetzungen nicht sonderlich viel geändert hat).

Trotzdem tendieren wir dazu vorschnell zu verkaufen, wenn wir zu häufig unseren Depotstand kontrollieren …

Der Grund für diesen Verkaufsdrang ist unsere ausgeprägte Verlustaversion, die bis zu einem gewissen Grad in uns allen innewohnt. Es ist nämlich so, dass Verluste für die meisten von uns stärker wahrgenommen werden als Gewinne. Wir freuen uns also bei einem Gewinn nicht im gleichen Ausmaß wie wir uns über einen Verlust ärgern.

Wenn wir nun täglich auf unseren Depotstand – oder schlimmer noch auf alle einzelnen Positionen unseres Depots – schauen, dann werden wir uns häufig über Verluste ärgern. Denn Fakt ist: Die Finanzmärkte schwanken nun mal. Und für Aktien gilt dies noch mehr als für Anleihen. Als Ausgleich dafür ist allerdings auch die langfristig zu erwartende Rendite höher.

Und genau das ist der Punkt:

Wenn man langfristig ausgerichtet ist und daher für einen Zeitraum von sagen wir mal 10 oder 20 Jahren veranlagen möchte, dann macht es keinen Sinn tagtäglich einen Blick ins Depot zu werfen. Denn die kurzfristigen Schwankungen sagen rein gar nichts über die langfristige Entwicklung aus – schon gar nicht bei Aktien. Dort kann es schon mal vorkommen, dass man drei Jahre hintereinander einen Verlust hinnehmen muss (so geschehen z.B. in den Jahren 2000 bis 2002).

Wenn man nun ständig die Verluste vor Augen hat, dann tendiert man dazu, irgendwann zu verkaufen. Womöglich ist das dann aber der falsche Zeitpunkt und man verkauft nahe am Tiefpunkt – um später der Börse jahrelang den Rücken zu kehren und somit keine Chance zu haben, die Verluste wieder aufzuholen.

Übrigens ist das nicht nur meine eigene Meinung – die Forschung bestätigt diesen Befund: Demnach gehen Investoren umso weniger Risiko ein, je häufiger sie ihr Depot kontrollieren. Dadurch verzichten sie aber auf potentiell höhere Renditen. Denn wir wissen ja: Höhere Renditen gibt es nur mit höherem Risiko.

Mein Tipp daher:

Wenn du ein langfristiger Investor bist, der eher eine Buy-and-Hold-Strategie mit periodischem Rebalancing fährt, dann schau auch nur alle paar Monate in dein Depot. Alles andere würde dich nur wahnsinnig machen und du triffst dann womöglich die falschen Entscheidungen. Und vor starken Emotionen sollte man sich hüten bei der Geldanlage.

PS:

Dieser Artikel passt auch sehr gut zum Thema: Hin und her macht Taschen leer

 

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