Die staatliche Pension in Österreich

Das zentrale Prinzip des österreichischen Pensionssystems ist die Aufrechterhaltung des Lebensstandards. Und auch wenn in Zukunft die Eigenvorsorge an Bedeutung zunehmen wird, so stellt die staatliche Pension zumindest eine gute Basissicherung zur Verfügung.

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Sofern man nämlich die entsprechende Wartezeit (dazu gleich noch mehr) erfüllt hat, so kommt man zumindest in den Genuss der Mindestpension, welche im Jahr 2019 immerhin 933 Euro monatlich beträgt.

Basiswissen zur staatlichen Pension in Österreich


Jedenfalls zu beachten ist bei der staatlichen Pension, dass es sich hier um keine Sozialleistung handelt. Will heißen: Man bekommt nicht bereits deshalb eine Pension, weil man österreichischer Staatsbürger ist oder hier seinen Wohnsitz hat. Vielmehr ist die staatliche Pension eine Versicherungsleistung. Das heißt: Man muss vorher was einzahlen bzw. zumindest über längere Zeit versichert sein, um später Anspruch auf Pensionszahlung zu haben.

Dazu sagt man Mindestversicherungsdauer bzw. Wartezeit und diese beträgt mindestens 15 Jahre, genauer gesagt:

  • 180 Versicherungsmonate (= 15 Versicherungsjahre) innerhalb der letzten 360 Kalendermonate, oder
  • 180 Versicherungsmonate, wovon mindestens 84 Monate (= 7 Jahre) Beitragsmonate sein müssen, oder
  • 300 Versicherungsmonate (= 25 Versicherungsjahre) ohne zeitliche Lagerung.

Erfüllt man diese Wartezeit, dann kommt man mit Erreichung des Pensionsantrittsalters auf jeden Fall in den Genuss einer staatlichen Pension (Allerdings muss man diese dann selbst beantragen. Von sich aus wird der Staat nämlich nicht tätig.)

Und diese Pension beträgt wie gesagt derzeit zumindest 933 Euro. Hat man mindestens 360 Beitragsmonate erworben (= 30 Beitragsjahre), dann erhöht sich diese staatliche Mindestpension auf ca. 1.048 Euro. Die Mindestpension für Verheiratete beträgt knapp 1.400 Euro.

Exkurs: Versicherungszeiten vs Beitragszeiten

Nach dem neuen Pensionsrecht müsste man eigentlich nur mehr von Beitragszeiten sprechen und diese weiter untergliedern. Doch im allgemeinen Sprachgebrauch unterscheidet man nach wie vor zwischen Versicherungszeiten und Beitragszeiten. Wobei man mit Beitragszeiten meint, dass man Zahlungen zur Pensionsversicherung leistet, weil man unselbständige bzw. selbständige Einkünfte über der Geringfügigkeitsgrenze hat und somit voll versichert ist.

Mit Versicherungszeiten ist gemeint, dass auch beispielsweise die Kindererziehung, Zeiten der Arbeitslosigkeit bzw. die Leistung von Präsenz- und Zivildienst mit eingerechnet werden.

Das Allgemeine Pensionsgesetz (APG) trifft mittlerweile folgende Unterscheidung:

  • Zeiten einer Erwerbstätigkeit (= Beitragszeiten) als Arbeiter/in, Selbständige/r und Landwirt/in
  • Zeiten einer Teilversicherung in der Pensionsversicherung (z.B. Kindererziehung, Pflegekarenz, Präsenzdienst)
  • Zeiten einer freiwilligen Versicherung in der Pensionsversicherung (z.B. Opting In bei geringfügiger Beschäftigung)

Arten von staatlichen Pensionen in Österreich


Ganz grundsätzlich wird in Österreich zwischen Eigenpensionen und Hinterbliebenenpensionen unterschieden. Vor allem die Arten von Eigenpensionen schauen wir uns im Folgenden noch etwas genauer an (nach Rechtslage vom 06.02.2019):

Die Alterspension

Um in den Genuss der normalen Alterspension zu gelangen, muss man das gesetzliche Pensionsantrittsalter bereits erreicht haben. Für Männer beträgt dieses 65 Jahre. Für Frauen beträgt dieses derzeit noch 60 Jahre und wird ab 2024 bis zum Jahr 2033 schrittweise ebenfalls auf 65 Jahre erhöht. Für Frauen, die nach dem 2. Juni 1968 geboren sind, gilt bereits das 65. Lebensjahr als generelles Pensionsantrittsalter.

Die Pensionshöhe für alle nach 1955 Geborenen ist über das Pensionskonto einsehbar. Genauere Informationen über das Pensionskonto und wie sich die Pensionshöhe errechnet, erhältst du hier.

Wichtig zu wissen ist jedenfalls, dass es bei der normalen Alterspension eben zu keinen Abschlägen zu den am Pensionskonto errechneten Werten kommt. Wartet man sogar noch länger bis zum Bezug der Pension, dann kommt es gar zu Zuschlägen zu den errechneten Werten am Pensionskonto (man sagt dazu Bonifikation). Allerdings beträgt die Bonusphase längstens drei Jahre, wobei die Pension um 4,2% pro Jahr erhöht wird (also um maximal 12,6%).

Zu beachten ist bei der Alterspension (wie auch bei allen anderen Arten von Pensionen), dass man einen Antrag einbringen muss, um in den Genuss von Pensionszahlungen zu kommen. Zuständig ist dabei jener Versicherungsträger, bei dem man die letzten 15 Jahre überwiegend versichert war. Für Arbeiter und Angestellte ist dies die Pensionsversicherungsanstalt (kurz PVA). Für Selbständige ist dies die Sozialversicherungsanstalt (kurz SVA).

Die Teilpension

Die Teilpension ist eine neue Form der Altersteilzeit und bedeutet die Kombination von Arbeit und Freizeit.

Dabei kann man ab Erreichen des 62. Lebensjahres bis zum Erreichen des Regelpensionsalters weiter am Erwerbsleben teilhaben und gleichzeitig mehr Freizeit genießen. Genauer gesagt wird bei der Teilpension die wöchentliche Arbeitszeit um 40 bis 60 Prozent reduziert. Eine geblockte Freizeitphase ist dabei aber nicht möglich.

Für die entfallende Arbeitszeit bezahlt dann das Arbeitsmarktservice (AMS) 50 Prozent Lohnausgleich. Arbeitet man während der Teilpension also nur mehr zu 50%, dann bekommt man trotzdem noch 75% Gehalt. Allerdings müssen die Sozialversicherungsbeiträge auch weiterhin zu 100% des ursprünglichen Lohnes gezahlt werden.

Zu beachten ist bei der Teilpension noch, dass dieselben Anspruchsvoraussetzungen gelten wie für die Korridorpension (siehe gleich nachfolgend).

Die Korridorpension

Die Korridorpension kann frühestens mit Erreichen des 62. Lebensjahres in Anspruch genommen werden, sofern eine lange Versicherungsdauer besteht.

Genauer gesagt gelten folgende Voraussetzungen für die Inanspurchnahme der Korridorpension:

  • mindestens 480 Versicherungsmonate (= 40 Versicherungsjahre) wurden bereits erworben und
  • es besteht keine Erwerbstätikgeit mit einem monatlichen Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze.

Der Unterschied zur Alterspension ist weiters, dass es zu Abschlägen zum Pensionskonto kommt. Genauer gesagt kommt es pro Jahr an vorzeitigem Pensionsantritt zu einem Abschlag von 5,1% (für ab 1. Jänner 1955 Geborene). Maximal beträgt der mögliche Abschlag somit 15,3%.

Die Langzeitversicherungspension (= Hacklerregelung)

Wie die Korridorpension kann auch die Langzeitversicherungspension ab dem 62. Lebensjahr in Anspruch genommen werden. Hier gelten allerdings noch längere Versicherungszeiten.

Genauer gesagt braucht man mindestens 540 Beitragsmonate (= 45 Beitragsjahre) um in die Langzeitversicherungspension – auch Hacklerregelung genannt – zu fallen.

Der Vorteil der Hacklerregelung gegenüber der Korridorpension ist der geringere Abschlag. Pro Jahr an früherem Pensionsantritt werden hier nämlich nur 4,2 statt 5,1% abgezogen. Maximal beträgt der Abschlag somit 12,6%.

Die Schwerarbeitspension

Eine weitere Option für manche Berufsgruppen ist die Schwerarbeitspension. Der frühestmögliche Pensionsantritt ist hier mit 60 Jahren bereits gegeben.

Dafür gibt es eine Reihe von Voraussetzungen:

  • mindestens 540 Versicherungsmonate (= 45 Versicherungsjahre),
  • davon mindestens 120 Schwerarbeitsmonate (= 10 Jahre) in den letzten 240 Kalendermonaten (= 20 Jahren) und
  • es besteht keine Erwerbstätikgeit mit einem monatlichen Einkommen über der Geringfügigkeitsgrenze.

Als Schwerarbeit gelten hierbei alle Tätigkeiten, die unter körperlich oder psychisch besonders belastenden Bedingungen erbracht werden. Welche Tätigkeiten genau unter die Schwerarbeit fallen, ist durch eine Verordnung geregelt.

Der besondere Vorteil der Schwerarbeitspension ist, dass hier der Abschlag bloß 1,8% pro Jahr beträgt.

Die Invaliditätspension

Typisch österreichisch verwendet man den Begriff Invalidität nicht für alle Berufsgruppen. Nur bei Arbeitern sagt der Gesetzgeber Invalidität, bei Angestellten lautet der Wortlaut Berufsunfähigkeit und bei Selbständigen Erwerbsunfähigkeit. Doch eigentlich meint man damit immer dasselbe.

Wichtig zu wissen ist jedenfalls, dass es die Invaliditätspension nur mehr bei dauerhafter Invalidität gibt – bzw. wenn eine Umschulung nicht zweckmäßig oder unzumutbar ist. Die befristete Invaliditätspension wurde ab Jahrgang 1964 abgeschafft.

Als invalid bzw. berufsunfähig gilt man laut Gesetz übrigens dann, wenn

  • die Arbeitsfähigkeit infolge eines körperlichen oder geistigen Zustandes weniger als die Hälfte beträgt – verglichen mit einem körperlich und geistig gesunden Versicherten und
  • wenn in den letzten 15 Jahren zumindest 7,5 Jahre lang eine Berufstätigkeit ausgeübt wurde bzw. man selbständig tätig war.

Hat man bereits das 50. Lebensjahr erreicht bzw. überschritten, dann reichen alternativ auch 360 Versicherungsmonate (davon 240 Beitragsmonate) aus. Doch natürlich muss auch hier die Invalidität dauerhaft bestehen um einen Anspruch zu haben.

Wer sich genauer für die Invaliditätspension interessiert, der kann dies zB bei help.gv.at nachlesen.

Die Hinterbliebenenpension

Der Anspruch der Hinterbliebenen leitet sich aus jenen Ansprüchen ab, die der/die Verstorbene selbst gegenüber der Pensionsversicherung gehabt hätte. Vor allem geht es hier wieder darum, dass man entsprechende Versicherungszeiten erworben hat.

Allerdings kann es hier zu einer Abfindung in Form einer einmaligen Leistung kommen, falls die entsprechende Wartezeit noch nicht erfüllt wurde. Und es gibt zudem einige Ausnahmen, wo die Wartezeit nicht erfüllt sein muss.

Genauere Informationen stellt zB die Arbeiterkammer bereit.

Weitere Details zur staatlichen Pension


Nachfolgend noch ein paar wissenswerte Details zur staatlichen Pension in Österreich:

Pensionswegfall

Unter bestimmten Bedingungen kann es zu einem Verlust des Anspruches auf Pensionszahlungen kommen. Dies gilt aber nur dann, wenn das gesetzliche Pensionsantrittsalter noch nicht erreicht wurde. Befindet man sich demnach in der Alterspension (und eben nicht in einer vorzeitigen Pension wie zB der Korridorpenson), dann kommt es NICHT zu einem Wegfall der Pensionszahlungen.

Bei vorzeitigem Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter ist daher  darauf zu achten, dass

  • man keine Einkünfte aus unselbständiger oder selbständiger Tätigkeit über der Geringfügigkeitsgrenze lukriert und
  • keinen landwirtschaftlichen Betrieb führt mit einem Einheitswert über 2.400 Euro.

Die Höhe der Pension

Da das zentrale Prinzip des österreichischen Pensionssystems lautet, den Lebensstandard von Herrn und Frau Österreicher zu sichern, richtet sich die Pensionshöhe vor allem an der Höhe des bisherigen Einkommens.

Berücksichtigt wird dies so, dass Jahr für Jahr ein gewisser Teil des Einkommens in ein so genanntes Pensionskonto gezahlt wird. Die Überlegung ist dabei die, dass jemand, der mit 65 Jahren und 45 Versicherungsjahren in Pension geht, 80 Prozent seines durchschnittlichen Erwerbseinkommens als Pension erhält.

Da in der Regel das Einkommen in den ersten Jahren der Berufstätigkeit geringer ist, wird man wohl mit weniger als 80 Prozent des Letztbezuges aussteigen – selbst wenn man 45 Jahre lang brav eingezahlt hat.

Zu beachten ist bei dem Ganzen, dass man jedenfalls bei Erfüllung der Wartezeit eine Mindestpension erhält. Ist somit der errechnete Betrag geringer als die entsprechende Mindestpension, so wird der Rest in Form einer Ausgleichszulage aufgefüllt.

Umgekehrt zahlt man Sozialversicherung und damit auch Pensionsversicherung nur bis zu einem bestimmten Betrag ein – nämlich nur bis zur Höchstbeitragsgrundlage. Besonders gut Verdienende werden daher mit einer deutlich niedrigeren Pension rechnen müssen im Vergleich zu ihrem Letztbezug.

Pensionsanpassungen

Pensionsleistungen aus der staatlichen Pension werden zu Beginn eines jeden Jahres erhöht. Dazu sagt man im Fachjargon Pensionsanpassung.

Allerdings erfolgt die erste Anpassung nicht bereits am 1. Jänner des Folgejahres, sondern erst am 1. Jänner des zweitfolgenden Kalenderjahres nach dem Pensionsantritt. Dieser Umstand wirkt sich umso negativer aus, je höher die Inflation im jeweiligen Zeitraum ist.

Sollte ich zusätzlich privat vorsorgen?


Diese Frage ist schnell beantwortet: Vorsorgen sollten vor allem jene, die viel verdienen, weil dann die Pensionslücke besonders hoch sein wird. Vor allem wenn man in der Sozialversicherung über der Höchstbeitragsgrundlage verdient, wird die Höhe der Pension nicht einmal annähernd an die oben angesprochenen 80% des Letztbezuges heranreichen.

Ebenso wird es zu hohen Abschlägen kommen, wenn man zu Beginn des Berufslebens vergleichsweise wenig verdient hat und der Verdienst erst später sprunghaft angestiegen ist. Denn nunmehr wird durch das Pensionskonto das gesamte Erwerbsleben berücksichtigt und nicht wie früher nur die besten Jahre.

Und selbst wenn du nicht zu den absoluten Spitzenverdiener zählst und auch dein Einkommen über die Jahre relativ regelmäßig verläuft, kann es zu einer hohen Pensionslücke kommen: Nehmen wir als Beispiel den Beruf des Kellners / der Kellnerin.

Trinkgelder sind zwar sozialversicherungspflichtig, jedoch kommt es hier zu einer Trinkgeldpauschalierung. Will heißen: Ein fixer Betrag wird Monat für Monat der Bemessungsgrundlage zur Sozialversicherung hinzugerechnet. Und dieser Betrag entspricht in der Regel nur einem Bruchteil dessen, was man tatsächlich an Trinkgeldern lukriert.

Das bedeutet aber auch, dass man mit dem Großteil der Trinkgelder eben nicht für die Pension vorsorgt und hier die Pensionslücke somit noch deutlich größer sein wird als in vielen anderen Berufsgruppen.

Oder ein anderes Beispiel: Was viele Selbständige nicht berücksichtigen, wenn sie „schwarz“ arbeiten: Nicht nur, dass dies ungesetzlich ist, man zahlt dafür keine Sozialversicherung und somit auch keine Pensionsversicherung. Die Folge ist, dass viele Selbständige zwar sehr gut verdienen, am Ende aber mit der Mindestpension aussteigen. Nur wenige denken aber daran, entsprechend privat vorzusorgen.

Und schlussendlich gibt es für die Zukunft auch keinerlei Garantie, dass man die Pension in dieser beschriebenen Höhe tatsächlich erhält. Denn all die Ausführungen hier und alles, was man im Internet dazu liest, beruht auf der derzeitigen Rechtslage. Künftige Pensionskürzungen sind daher leider nicht ganz auszuschließen.

Und aus diesem Grund finde ich es wichtig, neben der staatlichen Pension eben auch selbst etwas vorzusorgen.

 

P.S. 

Dieser Beitrag ist Teil der Artikelserie zum österreichischen Pensionssystem.

 

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